Samstag, 17. März 2012

Tag 15: Bums 'n' Hustlers

Wir checkten aus und gingen los Richtung "Adelaide" mit unseren Taschen, gefüllt mit Gewicht. Und siehe da, wer lag zu unsern Füßen? Es war der Leichnam des antisemetischen Penners, dessen Starre noch nicht eingesetzt hatte. Nach langem Überlegen, was wir nun mit dem hilflosen Haufen Fleisch jetzt anstellen, hatte Roman einen Geistesfunken. "Wie wäre es, wenn wir ihm den Arm abschneiden und sein Ärmel, gefaltet als Kissen unter seinen Kopf legen, damit er bequemer liegt?". Außerdem setzten wir ihm seine rote Kapuze auf, da streunende Straßenhunde ihm die Kopfhaut mit Haut und Haaren abgefressen hatten und wir fanden, es konnte nicht sein, dass vorbeigehende Passanten sowas anschauen mussten - ein bisschen Anstand muss sein! Unsere Beobachtungsgabe verriet uns, dass der Fremdkörper nicht am exakten Todesplatz vor sich hinschimmelte, sondern, wir nahmen an, nein nein, es muss so gewesen sein, von Taschendieben, als bei ihm nichts zu holen war, an den Ohrläppchen nach vorne geschleift wurde. Jaja, und ihr hattet schon bestimmt gleich, als das Wort "Geistesfunke" fiel, an Nekrophilie gedacht!

Wir behielten uns nicht vor, ein Erinnerungsfoto mit ihm zu schießen. Obwohl er kein Mann großer Worte war, ist er uns, in der kurzen Zeit, die wir ihn kannten, doch sehr ans Herz gewachsen.


Nachdem wir unsere Koffer erstmal im Dakota Kofferraum deponierten (check-in ist erst Mittags), hatten wir genug Zeit, uns in der Innenstadt nach Brunch Locations umzusehen. Auf dem Weg zu einem Restaurant diskutierten wir darüber, ob Brunch für zwei junge Männer in der heutigen Gesellschaft eher toleriert, oder als homosexuell eingestuft wird. Marc war letzterer Meinung, Roman war sich noch nicht ganz sicher. Nachdem Marc erzählte, dass sogar eine ganze "How I met your mother"-Folge dieses Thema aufgriff, waren wir uns sicher, dass wir nicht bereit waren, dieses Experiment einzugehen. McDonald's for breakfast it is! Dazu noch ein ganz ausgefallener! Ein kleines lokal, mit einem schlafenden Obdachlosen drinne, diesmal mit Kopfhaut. Netterweise war keiner darum bemüht, ihn rauszuschmeissen. Wir bestellten unser Frühstückmenü und hockten uns an den einzig freien Wackeltisch für zwei direkt am Eingang. Anschliessend wechselten wir den Tisch und wandelten unsere Ideen und Gedanken in digitale Bits und Bytes um, bevor wir in der Stadt der Sesshaftigkeit nomadenhaft weiterzogen.

Beim Schlendern durch die Streets fiel uns ein Comicladen in den Schoß, ähähäh, nein ins Auge, welcher unmittelbar darauf unser Interesse weckte. Wir gingen rein und checkten einige Comics, Bücher und Actionfiguren ab, stellten allerdings fest, solch ein Laden unterscheidet sich kaum von einem In Deutschland ansässigen "Spielzeuglädle". Danach, wie gewohnt unter Zugzwang, für ein paar Stunden ins Starbucks zum Bloggen, wobei es diesmal eher eine Not seitens Marc war, er musste nämlich kräftig Bricks scheissen. Während ich auf unsere Coffees wartete, verschwand er hinterrücks im Restroom, um sich erheblich von seiner bösartigen Last zu erleichtern. An diesem Tag taten die Büger von SF alles daran, uns daran zu hindern in Ruhe scheissen zu können. Es vergingen keine fünf Minuten, in denen Marc verschwunden war, schon klopfte es an seine Tür (zur Info: es gibt in den meisten Einrichtungen meist nur einen Raum mit nur einer Toilette), die Raumpflegerin, von der wir nicht wissen, welcher Abstammung sie ist, wollte wissen, ob bei ihm alles O.K. ist und er sich beim Scheissen nicht verschluckt hätte. Seiner Version zufolge, antwortete er nicht, aber ihr könnt euch sicher denken, warum. In Deutschland fragt dich in der Öffentlichkeit niemand, ob du nach fünf Minuten des Scheissens noch lebst. Zurück von seiner Session machte er sich freiwillig ans Schreiben des nächsten Eintrags. Etwas später, war es aber wieder an der Zeit zu gehen.

Zurück im fucking "Adelaide", zog die Rezeptionistin sooo ne Fresse...als hörte sie zum ersten Mal, was wir da redeten, diese Hure. Es lag aber ein Missverständnis (aka sie hat's verrafft) vor, doch diese Frau, mit der wir vier Tage vorher alles besprochen hatten, hatte ihr Erinnerungsvermögen wohl in den vier Tagen versoffen. Kleine Rückblende: Bei Ankunft in SF machten eindeutig klar, dass wir ein Dach über Kopf von Dienstag-Freitag und Sonntag-Dienstag hatten. Wir fragten auch doppelt und dreifach nach und sicherten uns wirklich ab. Viereinhalb Minuten Diskussion später, sah dieses verdorbene Stück Weib ihren Fehler ein und tat ihr Bestes, um uns in dieser überbuchten Stadt noch ein Zimmer zu beschaffen. Dies hieß für uns aber erstmal im Wartebereich zu chillen und unser Kulturwissen zu erweitern, wie es von würdigen Thronfolgern erwartet wird. Und was setzt sich dreist neben uns auf die Couch, die eigentlich für uns reserviert war? GENAU, ein barfüßiger Japse! Aber das war natürlich nicht genug, er erdreistete sich auch noch ohne zu fragen uns anzusprechen! Wir blieben angesichts dieser Tragödie auf zwei Beinen aber freundlich. Wir interessierten uns, wie er es geschafft habe, dem Tsunami zu entkommen, warum er denn noch lebe. Glücklicherweise entkam er, indem er dort zu der Zeit gar nicht wohnhaft war, es ist verblüffend, der junge Herr hatte doch etwas in seinem Schädel! Wir im Gegenzug erzählten ihm, was wir in SF machten und wie es davor in LA war und dass wir auch um Haaresbreite von der armenischen Mafia kaltgemacht worden sind. Ausserdem debattierten wir über kulturelle Differenzen, über "Warum's", "Deshalb's" und "Sowieso's". Wir haben mit ihm auch unsere Impressionen geteilt, die wir über die vergangenen Tage geschossen hatten. Bei den "Fuß-ins-Gesicht"-Bildern musste er lachen, ergo gaben wir ihm noch eine Chance darauf, irgendwann von uns gemocht zu werden. Endlich kam die Hostelmanagerin mit einer frischen Adresse an, wo noch ein Zimmer frei war, es war das "Green Tortoise" Hostel, welches sich darauf als wirklich angenehmer Aufenthaltsort erwies. Wir sollten jedoch erst später dieses wirklich empfehlenswerte Hostel auskundschaften, denn aus irgendeinem unbekannten Grund konnten wir erst am Abend einchecken. Wie immer tanzen erst am Ende alle Mäuse auf dem Tisch. So langsam meldeten sich wieder unsere Mägen zum Appell, also galt es den Taschengnom "Zagat" nach einem uns würdigen Ort für ein Festmahl zu befragen. Der Gnom spuckte "House of Nanking" als beste Kombination aus Geschmack und Glückseligkeit aus. Außerdem war dieses chinesische Restaurant nicht weit entfernt, dies bestätigte unsere Auswahl endgültig. Auf dem Weg dorthin, konnten wir einige erstaunliche Wunder von Mutter Natur beobachten:

Woher stammt dieses Ungetüm der Völlerei? Wie lässt sich das Geschlech t dieses Puddingkolosses bestimmen?
Schicke Antwort "A"oder "B" per SMS an 015256180205


Es ist schon das zweite Hilton in dieser kleinen Stadt, aber das schönere von den beiden. Man sollte sich einfach mal ans Herz fassen und dort eine Nacht übernachten. Leider hatten wir fast kein Geld mehr in den Taschen und mussten die letzten Tage finanzmäßig planen, besonders, weil es noch einige Gifts zu kaufen gab. Wir ließen die One-Night Übernachtung im Hilton also weg und zogen weiter in Richtung Asia Restaurant, welches wir auch recht schnell fanden. Im Restaurant, welches uns sofort als freundlich, dekoriert und organisiert auffiel, schnappten wir uns sofort den besten und witzigsten Platz im ganzen Saal. Marc is(s)t schon sein ganzes Leben lang in die Ecke gedrängt, wie eine Kakerlake, er hat sich damit aber abgefunden, denn er weiß, er ist nur eine von 1,3 Milliarden. Ich mag seine neuerdings realistische, auf's Leben bezogene Einstellung. Hier kommt Forever Alone, die Zweite:


Hungrig waren wir und die Speisekarte bot doch einiges, was sich sehr schmackhaft anhörte. Wir entschlossen uns wie immer für eine Suppe als Vorspeise, zum Trinken durfte es Eistee für Roman und eine Coke für Marc sein. Nachdem eine zierliche asiatische Reisfrau unsere Bestellung entgegennahm, meinte Roman: "Marc, du schleppst mich von einem Restaurant ins nächste, ich komme mit dem Scheißen nicht hinterher!", während er nebenstehendes Gesicht aufsetzte. Dies gab ihm den Anlass sich recht schnell in den Hinterraum, der eine Toilette beinhaltete, zu verziehen. Wiedereinmal wurde ihm dabei klar, was für ungeduldige, fettleibige Dünnscheisser doch in diesem Land leben. Denn nach nichteinmal fünf knappen Minuten klopfte es an seine Tür, ob er endlich mit seinem "Big Business" fertig wäre. Nach weiteren gechillten fünf Minuten, ohne sich bei seinem Kunstwerk stören zu lassen,  hinterließ er den Raum, gefüllt mit dem "Odeur de la merde", dem ungeduldigen wartenden Weißen. Romans Anus ist, bleibt und wird auch einfach immer ein Amalgan der Unerträglichkeit sein.


Kokosnussmilch, Minze, Mehl und andere Ingredienzien formten diese Bezierzung des Gaumens. Alleine die Suppe war schon wunderbar anzusehen, aber die Hauptspeise war genau das, was wir gerade brauchten. Es war recht gut, nicht außergewöhnlich, aber doch obere Mittelklasse, vorallem die Menge war entscheidend, man konnte sich einfach sattessen bis zum Brechgeiz und der Teller blieb immer noch halbvoll.

1 Liter Eistee (echter, aufgebrühter und abgekühlter Tee) für 2,50 $? Not bad.
Eines der schönsten Gebäude San Franciscos bei Nacht.
Zurück im "Green Tortoise" hatten wir etwas Zeit, die Räumlichkeiten zu begutachten. Es hatte z.B. einen großen Speisesaal, welcher auch eine kleine Bühne hatte und somit für Bandauftritte oder Stand-Up-Comedy bestens geeignet war. Richtig heiß klang auch die Trockensauna. Man muss auch einfach erwähnen, dass das "Green Tortoise" für reisende junge Leute womöglich zu den besten Bleiben in SF gehört. Sie organisieren Tours zum "Yosemite National Park" und zurück, dabei nutzen sie einen Bus, der wie ein Ninja Turtle gekleidet ist. Wenn man Glück hat, kann man auf dieser Expedition Blicke auf exotische Tierarten wie Rentiere, Wüstenrennmäuse und den Säbelzahnmarsupilami erhaschen. Wir hätten diese Möglichkeit wahr genommen für nur 300 Bucks, wenn unser Rückflug nicht schon gebucht wäre. Dennoch waren die werbenden Fotos sehr vielversprechend und für würden es jedem an die Niere legen. Diesmal glauben wir nicht erst, wir wissen mit fast an Unendlichkeit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass in dem Preis das konsumieren von Pot und das Ausüben von wilden Orgien unter freiem Wüstenhimmel inbegriffen ist.
Leider war kein Zimmer im Haupthaus frei, wir wurden ins Nebenhaus einquartiert, es war aber nicht schlechter eingerichtet, es war sogar richtig cool, 3-stöckig, außen eine Treppe zu allen Etagen. Dort kamen wir auf die Idee ein MTV CRIB-Video zu drehen, leider vergaßen wir dies in all dem Gehetze um Sachen, die wir noch anschauen und besuchen mussten. Noch heute bereuen wir es, dieses Vorhaben nicht notiert zu haben. Manchmal denkt einer von uns an den Freitod, sobald dieser Fauxpas zur Sprache kommt, manchmal sogar beide.


Hier eine paar Impressionen, wo sich unser neuer Ort der Träume ungefähr befand, zwischen Hurenhäusern, Schwulenbars und XXX-Videotheken - ein reines Paradies...nur nicht für uns, anyway, wenigstens die abendliche Beleuchtung war schön anzusehen. Irgendwann, ihr kennt ja nun das Schema S, maulten unsere Mägen wieder, um dies zu unterbinden, blieb uns nichts übrig, als zum verdammten Chinesen zu gehen, dieser hatte aber geschlossen, denn er wusste von unserer Visite nichts, dieser alte lustlose Molch und seine Rattenküche! Kein Problem, dachten wir, es gibt drei genau gleiche Restaurants seiner Art, so what? Das Schicksal belehrte uns eines Schlechteren, gewisse Restaurants stehen nicht ohne Grund im Zagat Guide und andere stehen wiederum nicht ohne Grund nicht im Taschengnom. Das Essen, das man uns vorsetzte. war literally gequirlte Scheiße, sowas kann man nicht mal den in minenübersähter Erde hausenden Regenwürmern in Pakistan zumuten! Also haben wir ragemäßig, halbsatt und nahrhaft total unbefriedigt diesen Klumpen von Saufutter aus der Kloake der Hölle in den Abfall geworfen. Auf dem Weg zum Mülleimer fühlten wir uns, wie diese wehrte Dame, der wir unseren vollen Respekt zollen:


Auf dem Weg zum kochenden Phong spielten wir unser Spielchen weiter, ihr wisst schon, Hinterkopfschelle und so, seht selbst:



Mittlerweile kann man das Denkschema, welches Marc's nicht vorhandenes Gehirn durchmacht, wenn er nach Fotomöglichkeiten sucht, nicht mehr im geringsten Nachvollziehen. Er ist eine sehr gestörte, aber dennoch kaum interessante Persönlichkeit und sie ist nicht einmal gespalten (ein weiteres Indiz für sein "Forever Alone"-Lebensstil) , es ist die gottverdammte, immerwiederkehrende, gleich dumme und einfallslose Eigentümlichkeit. Stellt euch aber vor, mit ein paar Photoshopkniffen lässt sich ein Körper ins Bild einfügen, wobei die Leiche dann so liegt, dass die Wassermelone den zerbersteten Schädel darstellt. Leider ist sowohl Marc, als auch meine Person, zu faul uns diese Skills anzueignen (obwohl wir das könnten, wenn wir wollten), daher denkt euch einfach den Shit da bei euer Birne, so wie damals, als ihr kleine Satansbraten wart. Nachdem wir in unserer bescheidenen Bleibe zurück waren, ließ sich Roman einen Besuch in der Trockensauna nicht entgehen, zog sein roten Pimpsuit an, setzte den Pimpblick auf und pilgerte pimpmäßig zum Maingebäude von "Green Tortoise" um komplett in die Welt des Hitzestaus und der aromatischen Dämpfe einzutauchen und seinen kindlich-porzellanpuppenhaften Körper von all den Sorgen und nervenaufreibenden Problemen sowie Marc's Geheule der letzten Tage zu entgiften. Wie immer, musste er dabei übertreiben, wie denn auch, wenn er es nicht täte, dann wäre er einfach nicht der Zuchtrusse, wie ich ihn kenne. Temperatur voll aufgedreht, Timer auf eine ganze Stunde und jetzt nur noch wartend aus allen Poren dehydrieren. "Etwas über eine halbe Stunde" dachte er sich beim Blick auf den Timer, stellte jedoch schon sehr bald fest: "Bitch, please! Enough is enough!" Irgendwann kehrte er wieder zurück, Marc wartete schon leichtbekleidet für eine Sexytime, wurde aber von Roman abgelehnt. Wir gingen wie geplant zu Bette.

Peace, we're out.

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