Sonntag, 1. April 2012

Tag 16: "How about a pearl oyster?"

WAS FÄLLT IHNEN EIN? WAS DENKT IHR, WER EUCH GEZEUGT HAT? WIESO UM GOTTES WILLEN LASS IHR UNS NICHT EINFACH SCHLAFEN, IHR PLAGEN DER SÜNDE?!?!?!

Warum wir so reagieren, fragt ihr euch? Nun, wir haben euch im Vortag bereits gespoilert, dass unsere Heimat direkt neben einem Phongkindergarten angesiedelt war, dementsprechend war auch der Geräuschpegel zur Noontime mit lauter "Ching Chang Chong" Geplapper gefüllt. Wir meinen aber auch darunter schwarze und weiße Kids gesehen zu haben, jedoch keine Mexikaner, obwohl die Augen noch voller Sandmännchensand waren. Eine weitere unserer berühmten Annahmen ist, dass die mexikanischen Familien sich die Kindergartenbeiträge einfach nicht leisten können. Da wir aber jetzt durch Reisfresserblagen geweckt wurden, mussten wir den wundervollen Tag mit Sinn und Verstand füllen. Wir wussten genau, dass wir demnächst abreisen werden, wir wussten aber auch genau, wann der Friseur offen hat, den wir die letzten Tage heimsuchten. Die Haare mussten so oder nicht so weg! Wir konnten es uns nicht leisten daheim mit Beatles-Schnitten aufzukreuzen (nein, nicht mit Yoko Ono, Cynthia Lennon und Co.), dies würde nämlich bedeuten, die einheimische Bevölkerung müsste annehmen, oder gar mit 95% Trefferquote sicher sein, dass es in Kalifornien oder gar den sämtlichen Vereinigten Staaten keine Friseure gibt oder dass die Beatles wieder zurück von ihrer jahrzehntelangen Welttour sind! Deshalb mussten wir unbedingt zum Friseur, um dieses potenzielle Dogma ein für alle mal zu annulieren. Und hier seht ihr, was der Friseur, obv eine Phonghexe aus Romans Kopf zubereitet hat:

Dat ass!
Um mir zu beweisen, dass die Frau keinen Schaarbernack getrieben hat, schoss Marc ein Bild von meinem Hinterkopf, es war rein optisch ok, man konnte sich wieder halbwegs ohne Tüte sehen lassen, preislich lag ich bei 18,-$. Offenbar aber konnte Marc sich dies nicht leisten, NEIN NEIN, er wollte es sich nicht leisten, er hatte zuviel Angst, sie würde seinen Wasserkopf in etwas noch noch noch abartigeres verwandeln....in einen Eis- oder Dampkopf oder ihm gar einen Heckenschnitt verpassen! Somit ließ er es bleiben, auch nach nach mühevollen Überredungs- und Bestechungsversuchen meinerseits. Marc ließe sich lieber nach guter, alter, deutscher Tradition in seinem Geburtsland die Haare schnippeln, für den gleichen Preis, mit einem ansehnlichen Gesprächspartner, den er versteht und der ihn versteht, ganz klassisch, like a Sir. Dann wurde halt an diesem Tag aus dem Duo kurzerhand "Da Fresh Prince and his footboy".

Wohlgefühl wieder auf 100%, jetzt lässt sich der Tag nun auch ganz anders gestalten!
Die drei Segregationsjungfrauen
Dieses gigantische Hotel passierte uns, uns stachen dabei die drei Jungfrauenstatuen in die Pupillen. Ihr erinnert euch noch an die drei Affen, den Blinden, den Tauben und den Stummen? Das Bild, wo Marc inmitten der drei Nagetiere sitzt und selbst wie eine misslungene Reinkarnation aller drei, vereint in einem Körper, darstellt? Nun, die drei hier waren ähnlicher Statur, ähähähä, allerdings war ihre Aufgabe zu Zeiten der Pestpandemie im 14. Jahrhundert mehr oder weniger die Blinden, Tauben und Stummen zu sortieren, sie selbst waren völlig gesund. Die Tauben und Stummen wurden jeweils nach rechts uns links gebeten, die Blinden sollten direkt den mittleren Weg, zur Rechten und Linken der mittleren der Jungfrau, beschreiten. Letztendlich war es egal, wer welchen Pfad beschritt, denn sie alle wanderten in Richtung Scheiterhaufen, die Entsorgung von körperlich minderbemittelten Menschen, war in der Bay Area bis zum Rezensionsgesetz 1979 Gang und Gebe, wohingegen psychisch  kranke Menschen an amerikanischen Universitäten seit Menschengedenken lehren, bestes Beispiel: Stephen Hawking.


Einige Blickwinkel nach links konnten wir diese reizenden, obersten Stockwerke des Hilton bewundern. Schaut euch nur diese gläsernen Wände an, wäre das etwa nicht geil, ganz da oben in seiner eigenen Suite splitternackt am Fenster zu stehen und die Leute unten mit einem Fernglas zu beobachten? Achtet mal auf den roten Stuntman mittig im Bild, er ist gerade dabei, die Anfangsszene für den Blockbuster "Am Limit" zu drehen, er ist gerade kurz davor, einen Backflip zu performen (Ihr glaubt nicht? SCHAUT DOCH SELBST!), unten landet er dann in einer Feuerwehrhüpfburg, denn die Fangmatten, die sie sonst immer haben, sind out of date. Nach 15 Minuten "Public Viewing" machten wir uns auf, irgendwo irgendwas irgendwie zu essen. Da Subway uns die letzten Tage und Wochen als delizöser Nahrungs- und Kohlenhydratelieferant gut diente, zögerten wir nicht lange, als wir einen Eingang zu solchem sahen. Für mich durfte es wie immer "Chicken Teriyaki" sein, Marc war interessiert, neue Geschmacksrichtungen zu erforschen. Für ihn sollte es irgendwas mit Avocado sein. Bevor er aber den größten Fehler seines Lebens machte und etwas bestellt, von dem er nicht weiß wie es schmeckt, sichert er sich erstmal ab, und probiert die Sauce. So bat er den Mexikaner ihm etwas davon auf ein Gurkenstückchen zu pressen um es dann zu verschlingen. "Can I try this one first?" fragte er. Ich wollte ihm nicht sofort ins Wort fallen und ihn korrigieren, dass es besser klänge, wenn er "may" und "taste" in seine Satzkonstellation einbauen würde, nein, ich tat es direkt nachdem er seinem grotesk klingenden Satz freien Lauf ließ. Er meinte aber, es sollte auch so verständlich sein. Okay. Der Mexikaner hatte es also korrekt verstanden und die von Marc gewünschte Sauce direkt auf seinen kompletten Footlong gespritzt. Marc verspürte eine leichte Errektion, fing aber gleichzeitig an mürrisch zu gucken und wollte den Subzubereiter am liebsten vergewaltigen, denn töten wäre zu human. Seine Laune könnt ihr sehr schön der obigen Abbildung entnehmen.


Gestärkt und mit etwas besserer Laune, marschierten wir weiter Richtung wilden Westen. Für den heutigen Tag war nochmal Pier 39 Shopping angesagt, denn einige Geschenke bzw. Mitbringsel waren noch nicht akquiriert, außerdem könnte das Wetter nicht schöner sein für einen Catwalk. Unser Weg führte uns auch wieder am Tortoise vorbei, wo uns folgendes auffiel:




Danach sind wir auf weitere wunderschöne Impressionen gestoßen, die natürlich festgehalten werden mussten. Marc schaffte es nicht, er hatte nicht genug Kraft, ich hingegen aber schon:


Da viele Straßen in dieser Stadt derlei krasse Steigungen haben, müssen die Autos entsprechend irgendwie parken, ich hatte die ganze Zeit dass starke Verlangen all diese Fahrzeuge umzuflippen, weil sie fast zu kippen drohten, wie der "Table Flipping Guy" halt, ihr wisst schon.


Jedesmal, wenn man von unserem Hotel in Richtung Küste ging, lief man erst bergauf und dann... na? 3mal dürft ihr raten... bergab, genau! Jedenfalls machte es einfach Spaß, diesen Weg abzulaufen und bei diesem schönen Wetter schon dreimal. Nichts konnte diesen schönen  Tag verderben, jedoch wurde er für einen Moment getrübt, denn wir sahen eine Gruppe von Hurensöhnen, die grade eine Stadttour auf ihren Segways unternahmen (wenn ihr nicht wisst, was das ist, yahoo'd es gefälligst), ein Privileg, was eigentlich den beiden Lustknaben nicht verwährt sein dürfte. Doch 80 Dollar, meine Fresse, für diese Tour ist einfach zu viel. Es steht nicht in Relation zu dieser Leistung. Nichteinmal wenn wir im Lotto gewonnen hätten, hätten wir diesen Geizkrägen unser Geld in den Rachen geschossen, lieber hätten wir ihr erbärmlich kleines Unternehmen gekauft und dem Erdboden gleich gemacht. Da wir Mord erstmal auf unserer USA Checkliste abgeha(c)kt hatten, blieb uns nur der gefällige Blick (weil wir grade den Hang wieder herunterliefen, ähähähäh) aus unserem nicht vorhandenen Waffenarsenal übrig. Wir zogen unsere müden fettleibigen Körper weiter gen Küste um dort neidisch auf die Häuser des Telegraph Hill zu starren.

Ein simples...

...Panorama...                                     
...Foto.

Endlich am Pier angelangt (um zu sehen, wie ihnen aussieht, ischöör checkt doch selber Tag 11 und haltet den Fresse!) gingen wir absolut sicher (und damit meinen wir nicht nur unseren absolut gefahrlosen Gang über das hölzerne Laminat des Piers), dass uns keine gute Geschenkidee durch die Finger flutschte und beschlossen,  jeden Laden des Piers zu inspizieren. Werft alle Touristenführer der "Fisherman's Wharf", die ihr bisher kennt, aus dem Fenster und hört nun unserer Beschreibung zu, denn sie ist unkommerziell und zertifiziert.



Geschäft #1: Die Grotte des Phongs
Neben einigen Gewändern, die wir über unsere nackten Körper zogen, denn ihr wisst, Seide und nackte Haut, er ist tam so der perfekte Kombination mäßig. Roman probierte natürlich Gewänder für Frauen aus, bis ihm die Verkäuferin die Herrenabteilung zeigte. Im altertümlichen Japan kämpften die Samurai des Hattori Klans unter ihrer Rüstung komplett nackt, nach den Fights, sofern man noch am Leben war, zog man sich seidene Kimonos über und ging im Garten Sake unter'm Krischblütenbaum trinken. So bot dieser Laden aber weder Sojasoße, noch Krabbenchips. Als Spezialisten mit ernährungsberaterischer Funktion entschieden wir: Nothing to do here.


"If you meet these guys that dressed, you know shit just got serious!"

Geschäft #2: Der aqua-physiotherapheutische Saloon
Wie ihr wisst, ist Marc durch den Verlust seiner Wohnung und das ständige Generve seines dreist-dummen russischem Hundes, die letzten Tage sehr angespannt gewesen. Der Wassermassage-Salon zehn Meter weiter kam deshalb sehr gelegen. Leider boten diese Abtrünnigen der Neuwelt keine Massage für Hunde an, merkwürdig, denn der Ladenführer war selber ein ganz dreckiger hybrider Bastard. Er versuchte mit sämtlichen Sparangeboten uns die merkwürdigsten Entspannungstechniken anzudrehen. Es fing an mit zwei "Rückenpads", wir kennen die exakte Bezeichnung für dieses Teufelsgerät nicht. Der Kameltreiber platzierte sie auf Marc mickrig-schwachen Schultermuskeln und drückte ihm der Gerät dazu in die Hand. Mittels elektronischer Impulse wurden seine Muskeln dazu veranlasst seine Schultern hochzuziehen und kreisen zu lassen. Auf Stufe zwei von zehn war es wahnsinnig angenehm, die Gänsehaut kroch einem über den Rücken, nein, sie rannte förmlich über die Poren Marcs albinoähnlicher Haut.
Aber Stufe 2 von 10? - Challenge accepted! Roman begutachtete in einem Meter Sicherheitsabstand, wie das Schlitzauge das Volume rasant auf 10 pushte. Dabei gleichte diese Metamorphose der eines Epileptikers on 2nd Base, der Zuchtrusse hatte also tatsächlich das Glück, den zweiten Anfall zu sehen (in Eintrag "Askaban wants you" wird der erste beschrieben und auch erwähnt, dass diese Anfälle selten sind). Er sah dabei aus, wie eine Taube, die ihre Flügel bei einem Kettcarunfall verloren hatte, bei dem Versuch zu fliegen, es war fabulös! Anstatt Marc in ein Krankenhaus zu bringen, versuchte uns der Reisbauer Flüssigkeiten, die man sich durch die Nase ziehen sollte, welche dann für sinnliche Düfte und Entspannung sorgen, für Geld anzudrehen: das war unser Signal zu gehen.

Geschäft #4: "Pearl of the Caribbean"-Store
Da war dieser Stand, fast wie eine kleine Booth, innen drinne gefüllt mit Regalen gefüllt mit Schmuck und Federn. Es gab gerade eine Sonderaktion, mit miesen Muscheln. Es war ein bisschen wie Tombola oder Lotto, nur dass die Chancen etwas besser standen. Die Muscheln beherbergten Perlen, echten Seeschmuck also. Nur, und jetzt kommt der Haken, man wusste nicht in welcher Muschel die Perle war! Es galt also herauszufinden, in welchen davon die Perlen versteckt waren, so wie mit den Kinder Ü-Eiern, die man schüttelt und deren Gewicht mit anderen Ü-Eiern vergleicht, in der Hoffnung, man erwischt einen dieser Hippos, die damals so begehrt waren, zumindest als Roman und Marc einst kleine Pisser waren: wir waren förmlich süchtig danach! Die normale Asiatin, diesmal eine sexy Augenweide, lockte uns mit einem Angebot, dass nicht mal vier Hände abschlagen konnten, aber seht selbst:


Zwischenakt: Kasperletheater mit Gandolf dem Trickbetrüger
Nachdem wir uns von der netten Verhandlungskünstlerin verabschiedet hatten, liefen wir bis zum Ende des Piers, wo uns eine Veränderung zum letzten Mal auffiel. Sie hatten eine Art Bühne aufgebaut, davor waren an die 50 Stühle platziert, wir vermuteten also, es muss einer der ganz großen Entertainer in der Stadt. Wir gingen einen Schritt weiter. Nun, vor der Bühne stehend, sahen wir einen Mann, der grade ein kleines Mädchen auf die Bühne gelockt hatte. Uns packte die Neugier und wir nahmen Platz, sehr zu unserem Verhängnis, denn dieser Entertainer stellte sich als eine Mischung aus Magier, Comedian, Puppenspieler und Trickbetrüger heraus, der sich zwischen diesen vier Arten nicht entscheiden konnte. Sie nannten ihn Gandolf. Sein Arsenal bestand aus verschiedenen Kästen, einem Tuch, einem Safe und seinem fleißigen, aber sinnlosem Mundwerk. Die gesamten 15 Minuten verbrachte er damit, verschiedene Gegenstände zwischen den Kästen hin und her zu bewegen und verschiedene Leute auf die Bühne zu rufen. Er hatte bei all dem Ganzen keine erkennbare Pointe, konnte aber erfolgreich den Kindern ihr Geld stibitzen und ihnen dann wieder als Dank für das Auf-die-Bühne-kommen schenken. Wir hofften nur, dass er uns auf die Bühne bitten würde, aber unsere Hoffnungen blieben ungeleert, wir mussten ihn also töten. Er starb an Atemnot, das Zaubertuch in seinem Halse blockte sämtliche Luftwege. Die Hälfte der Geschäfte hatten wir, abgeklappert, die, die keiner Erwähnung wert sind, haben wir... wait for it... nicht erwähnt. Falls ihr aber doch wissen wollt, wo zum Fleischer Geschäft #3 abgeblieben ist, sollt ihr wissen, es war ein Audioladen, hatte viele Low-Budget Kopfhörer, dessen Kackmarke wir nichteinmal erwähnen möchten, wir wollen ja nicht Schleichwerbung verbreiten, nachher gehen einige von euch und kaufen die Scheisse. Die Verkäufer präsentierten uns einige davon, und eine ganz nettes, portables und vor allem lautes Musik-per-Bluetooth-Abspiel-der-Gerät, es war ne halbe Boombox von der Lautstärke her, war beeindruckend, jedoch brauchten wir Expeditionisten sowas nicht, denn Marc als passionierter Musiker hat all die Jahre lang an seinen Panflötenskills gearbeitet und konnte somit, wenn uns langweilig wurde, die unangenehme Stille mit einer aufmunternden Melodie füllen. Manchmal durfte es die Super Mario-Theme, manchmal die deutsche Nationalhymne sein, zu der Roman dann tanzend einige zusammenhanglose 8-Zeiler in halftime freestylte-rappte. Unser Rückweg schlängelte sich über folgende Geschäfte.

Geschäft #5: Linkshänderladen
In diesem Geschäft erhoffte Marc ein Geschenk für Matze zu finden, denn wie ihr alle wisst hat der gute zwei linke Hände und einen rechten Fuß. Nette Gadgets hatte dieser Laden zugegebener-mäßig, von Topflappen über Ringe bis zu Linkshänder-Vibratoren. Doch die Scheiße war so teuer, selbst der Vibrator, der für den Held der Welt sehr praktisch gewesen wäre, hat 9,90$ gekostet. No present this time it is! Aber ein Stück weiter war der DelSol San Francisco Laden, dort sollte sich wohl ein Schlüsselanhängerring oder ähnliches finden lassen, die sie einem nachwerfen :)

Geschäft #6: DelSol
In Eintrag 9 wurde schon genau beschrieben, wie awesome diese Textilienkette ist, die es in Europa noch nicht gibt. Wir holten nochmal welche mit extra San Francisco-Mustern. Marc zeigte sich großzügig und holte auch Matze ein Shirt, auch Vollwaisen brauchen hier und da mal etwas Scheinliebe :D.


Mit viel Liebe und brodelndem Öl wurden auch diese Minidonuts gemacht, von denen sich Roman einen Eimer genehmigte. Das Problem dieses immer gefräßigen Russen ist, er nimmt den Mund zu voll und schafft immer nur die Hälfte, von dem, was er sich kauft. Dafür, die andere Hälfte wegzuschmeißen oder Tauben bzw. Obdachlose zu füttern, ist er aber auch zu geizig, ergo lief er wie ein Vollidiot mit dem Donuteimer durch die Stadt. Danach sind wir in einige weitere Klamottenläden rein um o.g. Stuff zu besorgen, nothing special about that.

Nach den letzten Einkäufen am Pier verließen wir diesen mit einigen Taschen an unseren Armen und liefen in Richtung Hotel zurück. Auf etwa halbem Wege sahen wir ein vor einer Baustelle pausierendes Cable Car. Uns fiel schlagartig ein, dass wir dieses Must-do auf unserer Liste bisher ausgelassen hatten. Mit dem absolut letztem Geld, dass unsere Portemonnaies innehatten, wait... "Roman, warum hast du 30 Dollar mehr als ich übrig?" Marc erinnerte sich, dass er ja jeden Tag 5$ unbemerkt in die Brieftasche seines so unaufmerksamen Kollegen schmuggeln konnte. Nun brüstete er sich erstmal über diesen Erfolg, verlangte aber gleichzeitig sein Geld, plus Zinseszinzen, die sich automatisch über die Tage in seinem Geldbeutel generiert hatten, zurück. Roman ging diesen Handel gegen eine Gegenleistung in Form einer Zahlung von 60$ von Marc ein. Ein fairer Handel, dessen war Marc sich sicher und dachte sich im Inneren, dass er den Russen jetzt schon zweimal übers Ohr gehauen hat. Marc ist und bleibt ein Meister der Täuschung mit Arglist und Divergenz.

Die Wassermassage hätte Marc's erhitztem Gemüt gut getan...
...aber ein Blowjob von Roman (seine Hand im Bild) hat's auch getan...
...deshalb will er seinen verschmierten Mund nicht zeigen. Marc war wieder guter Dinge.

Nach anfänglichem Stressens über die Tatsache, dass wir nun den gesamten beschissenen Weg nochmal müssen, fingen wir an die Fahrt zu genießen. Das Ganze hatte etwas erfüllendes, einmal nicht Sorgen haben, wohin es geht, einmal nicht ein Auto fahren zu müssen mit einem nervigen Beifahrer, sondern sich einmal vom Wind der Freiheit treiben zu lassen und wie eine Feder durch die Luft zu gleiten. Wir fuhren bis zum Ende der Strecke durch, welche wieder der "Fishermans Wharf" und somit an der Küste endete.

Der fette Denker - ein Visionär, der die Dinge von heute,  bereits morgen sieht.
"Not sure if he is just looking retarded or really acting like one."
Suizidgefährdeter Mann - jeder weiß, CableCars halten nicht an Kreuzungen!
Bevor du, der Leser, die folgenden Buchstaben- und Wortketten aneinanderreihst und versuchst deren Zusammenhänge zu verstehen, starte bitte zunächst diese schöne, instrumentale Stück, welches man des öfteren aus dem Zirkus kennt. Und erst DANACH, richte bitte deine Augen unter das Video. Danke.


Nun kannst du mit dem Lesen fortfahren. Als unsere CableCar-Fahrt zu Ende war, bekannterweise hat ja alles eines oder mehrere Enden, dieses hier leider nur eins, musste dieser straßenbahnähnliche Wagon umgedreht werden, diese Kutschen können immer nur geradeaus fahren, nicht rückwärts. Es bedarf aber zwei sehr starker Männer um das ganze zu erledigen, es dürfen meist schwarze Männer sein, denn die Weißen sind entweder fett oder haben nicht viel Kraft in ihren Würstchenkörpern, weswegen hier sehr schön der Begriff "Black Power" greift. Um das ganze ein wenig spektakulärer zu machen, wird bei jeder Wendung  Zirkus- bzw. Clownsmusik aufgelegt, so haben auch die Schaulustigen Spaß am zuschauen.

Hier wird der Wagen per Hand reingefahren...
...im Takt zum Zirkusinstrumental um 180 Grad gedreht...
...und anschließend darf das CableCar die gleiche Route wieder zurückfahren.
Wir waren froh, dieses Naturschauspiel hautnah miterleben zu dürfen. Aber was jetzt? Marc wollte unbedingt Jizzy B's Haus aus GTA San Andreas anschauen, bzw. die Golden Gate von einem anderen Blickwinkel betrachten. Schaut mal hier, wie detailgenaureichhaft die Entwickler von Rockstar an diesem Klassiker gearbeitet haben:

Die Brücke schien gar nicht so weit weg zu sein, aber der innere Anblick kann ja bekanntlich oft täuschen. Wir berieten uns und aufgrund von negativen Aspekten, wie die herantretende Dunkelkeit, zermatschte Füße oder eben der nicht einschätzbaren Distanz. Letztendlich entschlossen wir, es bleiben zu lassen. Wir gingen aber noch in einen Kiosk um uns aufzufreshen. Die Liquor Stores dort haben Eistees mit 682 Milliliter Inhalt für 1$ in vielen exotischen Geschmacksorten. Wieso solch eine kosmische Befüllungsgröße gewählt wurde, wissen wir nicht, aber es schmeckte awesome und können diesen Drink definitiv weiter empfehlen. Damit ihr das nicht vergesst, setzt das auf eure USA-to-do-Checkliste, wenn ihr mal das Glück haben solltet dorthin zu fliegen. 

Etwas gestärkt gingen wir den wohl letzten langen Marsch dieser fantasievollen Reise an. Doch dieser sollte noch sehr anstrengend werden, denn Roman tat mal wieder sein Bestes, nicht zu wissen, was er überhaupt tat oder wohin wir laufen sollten. Was ihr hier links seht, ist Ghirardelli, eine Schokoladenfabrik. 1851 gegründet, ist sie die zweitälteste unabhängige Schokoladenmarke der USA, seit 1998 ist sie eine Tochtergesellschaft der jedem in Deutschland bekannten Schweizer Marke "Lindt". Sehr zu empfehlen ist auch der Wikipedia Artikel über diese Firma, denn dort ist alles nochmal interessanter und wissenswerter erläutert.

Ich beschloss, im weiteren Verlauf des Heimweges, ein kleines Experiment mit dem so ahnungslosen Roman durchzuführen. Wie weit kann ich gehen? Bis zu welchem Punkt überwiegt seine Dummheit bzw. Planlosigkeit seine Vernunft? Wenn ich die Klippe herunterspringe, folgt er mir dann? Es galt endlich die Antwort auf all diese Fragen zu finden. Ich ging also absichtlich in die falsche Richtung und schaute, ob er mir folgte - Aber wie ein Esel mit einer Karotte vor der Nase, tat er es. Ich frage mich immer noch, wie man selbst nach 10-maligem Durchqueren einer Stadt so orientierungslos sein kann. Nach drei Blocks zu weit nach Osten gelaufen, löste ich mein kleines Spiel auf. Ihm nochmal unsere Lage, sowie die genaue Lage des Hotels, erklärend, bereitete ich ihn gleichzeitig auf seinen letzten Test vor, oder wenn ihr so wollt, seine letzte Chance, zu beweisen, dass er nicht komplett nutzlos ist. Zur Bestätigung, dass er verstanden hatte, was ich ihm erläuterte, nickte er mit dem Kopf. "Komm Roman, lass jetzt gehen, wir wollen heute noch nach Hause kommen" sagte ich euphorisch und ging abermals in eine falsche Richtung. Ihr könnte es euch sicher denken, er folgte mir abermals - Faith in Roman completely lost. Was mich aber am allermeisten ärgerte, werdet ihr wohl bereits ahnen - DIESES VERDAMMT IGNORANTE SCHULTERZUCKEN UND SEINE WAYNE-ATTITÜDE! Ich habe ihm hoch und heilig versprochen, irgendwann breche ich ihm sie, dann wird er nie wieder wie ein schwangeres Meerschwein zucken. Der Background unseres Blogs könnte hier besser nicht passen.

Das Portrait, vertikal eher mittig, horizontal eher nicht mittig orientiert, aber von der Diagonale richtung Osten auf 3 Uhr ausgerichtet, verändert sich magisch von Foto 1 links zu Foto 2 rechts, schaut genau hin!


Die Nacht tritt ein (und damit meinen nicht Kickboxing, was ihr schon denkt).
Die Lombardstreet bei Nacht - Ebenfalls schön anzusehen.
Kaum daheim angekommen, liefen wir auch schon direkt wieder los, denn es war kurz vor 11pm und wir wussten, der Chinaman aus dem Zagat Guide, dessen Kuhfutter wir noch probieren wollten, machte um 11pm zu. Diesmal hatte er auch geöffnet, doch er war kurz davor die Küche zu schließen, also hieß es rasch was zum Mitnehmen bestellen. Obv war unser Festmahl nicht sofort zubereitet. Unsere Wartezeit verbrachten wir, indem wir uns das Restaurant etwas unter die Lupe nahmen. Wie immer fiel uns etwas auf, was gewöhnlichen Leuten nicht auffällt. Unser Fund war auch ein Hinweis dafür, dass jenes eins der exquisiteren Restaurants in SF ist, unser Taschengnom verspricht einfach immer die Wahrheit.


Müde vom ganzen Laufen und beängstigt durch die Dunkelheit mit ihren Schattenkreaturen selbst, schritten wir voran, unsere Ärsche schnellstens in Sicherheit zu unserer zeitweisen "Crib" zu bringen. "Daheim" angekommen fragten wir uns, was der nächste und letzte Tag in dieser Stadt, diesem Land, diesem Kontinent bringen würde. Die Nachtzeit schlugen wir wie gewohnt mit ein wenig Bloggen, unseren Fäusten und sonst Schlafen tot.

Peace, we're out.