Samstag, 17. Januar 2015

Tag -1/Tag 0: "Jungs, ich glaub', ich hab was vergessen..."

WARNHINWEIS

Liebe Leser dieses Blogs, das folgende, transkribierte Material aus längst vergangener Zeit basiert fast ausschließlich auf rhetorischen Stilmitteln wie Ironie, Sarkasmus, Zynismus, Exaggaration, etc. Textausschnitte, Zitate und Handlungen, auf die sie stoßen werden, mögen den Anschein erwecken, die Autoren dieses Blogs vertreten eine von Menschenhass, Rassismus, Sexismus und Intoleranz geprägte Weltanschauung. Dies trifft tatsächlich aber nur zu etwa 10-15% zu, je nach Tagesform. Zur korrekten Interpretation des unlustigen Humors empfehlen wir einen Intelligenzquotienten von 85 bis 120. Sollten diese Parameter nicht auf sie zutreffen, sollten sie eventuell davon absehen, sich die nächsten Inhalte zu Gemüte zu führen. Bei Nichtbeachtung des Warnhinweises übernehmen die Autoren keinerlei Haftung für temporale oder permanente Schäden an Seele und Körper. Dieser Warnhinweis gilt auch für alle nachfolgenden Blogeinträge des Japan-Aufenthalts. 
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23. August 2013, der Tag der Entscheidung war gekommen: Konnten wir an diesem Tag den irdischen Mächten des Zerfalls trotzen oder würden wir uns ihnen letzten Endes kniend hingeben? Warum solch ein dichterischer Anfang fragt ihr euch, 'was los'? An diesem Tag waren einige bzw. ein schwaches Glied unserer Reisegruppe durch vorhergesehene Konsequenzen verantwortungsloser Tätigkeiten am Vortag kurz vor dem Rücktritt seiner Reise, was folglich den gesamten Trip umkippen würde. Wie es dazu kam, erfahrt ihr nun hier live und ungefiltert.

Einige Stunden zuvor: Ich (Roman) und Miguel de Santos befinden uns einem Bus in Richtung Dortmund zu Marc, denn unser Flug ging ab Düsseldorf, wie schon auch 2011. Einen Tag vorher ankommen, so dachten wir, würde uns genug Zeit für die Ausblendung der letzten Details der Reise geben, plus wir konnten am Abend noch ein letztes Mal gutes, günstiges, deutsches Bier mit Freunden und solchen, die sich eines Tages mal vielleicht so nennen dürfen, schlürfen, bevor es ins Land der Morgenstund' mit Gold im Mund geht. Geplant, umgesetzt: Unterwegs mit Heino, Chris, Jacky, Marc, Miguel, später dann auch DJ Justice und meiner Vielfältigkeit ging es Richtung "RockBar", allgegenwärtig und quasi unsere zweite Basis in Dortmund. Heiter und fröhlich wurden Runden ausgegeben, man trank nach Herzenslust und diskutierte miteinander, übereinander, immerhin konnte niemand wissen, ob es der letzte Abend der zwei Erben der Awesomeness und ihrem parasitären Untergebenen war, immerhin flogen wir mit der "Emirates" Airline. Gegen Mitternacht oder etwas danach verabschiedete man sich von den Dudes und waltete seiner Wege. Da Roman aber einer dieser Menschen ist, die nie genug bekommen und es zudem als unerhört empfand vor dem Abreisetag mit einem zu niedrigen Alkoholpegel schlafen zu gehen, schlug er vor, sämtlichen in Marcs Haushalt übrig gebliebenen Alkohol von dieser Welt zu tilgen. So verzehrten wir also den Inhalt dieser widerlichen Apfel-Berentzen Flasche bei 'ner Runde auf der Couch und lachten herzlich über Miguels Theorien über eine neue Welt, über Dies und Jenes, Vergangenes und Künftiges. Ein Lachflash jagte den anderen, man könnte seine Zeit nicht besser genießen.


Yaaayyy! Heimatbesuch für Marc!
Doch am nächsten Morgen, wie sollte es auch anders sein, weckte uns die Realität wie ein Schlaghammer auf die blanken Eier aus dem Nichts: Total verkatert musste man seine alkoholisierten Kadaver ins Bad schleppen, duschen, Zähne putzen, anziehen. Nur halt mit gefühlt 100-facher Erdanziehungskraft. Aber halt! Vor all dem üblichen Morgenschiss mussten erstmal die Mägen leergepumpt werden. So wechselten Marc und Roman ihre Toilettensessions im Minutentakt ab, mal scheissend, mal kotzend, während Miguel, dieses verdammte mexikanische, alkoholaffine, nüchterne Schwein uns auslachte, weil's ihm offensichtlich blendend ging. Frühstück war an diesem Morgen/Mittag erstmal nicht drin. Da wir bereits hinter dem Zeitplan waren, mussten wir uns sputen, um noch genug zeitlichen Puffer am Flughafen zu haben, für all den Papierkram versteht sich. Zwischenzeitlich bekam Marc einen Anruf: es war Akim, der Sohn von unserem wertem Freund und Host Matsumasa. Er fragte Marc, ob sich unser Flug denn verspäte, weil Matsu bereits sein geraumer Zeit am Flughafen wartet, aber keine drei Weißbrote rauskommen sieht. "OW FUCK!" dachte sich Marc und musste Akim klarmachen, dass wir erst einen Tag später in Osaka ankommen, da er die Zeitverschiebung nicht miteinberechnet hatte. Und wieder einmal mussten andere Leute für Marcs Inkompetenz büßen. Wir malten uns aus, was Matsu als Strafe vorbereitet haben könnte, doch entgegen all unseren Vorstellungen, hatten wir nicht den Hauch einer Spur davon, was er in Wirklichkeit mit uns geplant hatte.

Obgleich wir dachten, wir zwei konnten nicht mehr brechen, weil ja alles Erbrochene ins Abwasser runtergespült wurde, sah sich Roman dennoch beim Laufen zur Bahnstation vom Brechreiz herausgefordert. Während er sein Reisegepäck hinter sich herzog und wie ein alter, lechzender Hund nach vorne geneigt lief, sendete ihm sein Körper immer wieder Brechsignale, er jedoch schaffte es, sie stets zu unterdrücken, was ein wenig komisch aussah, weil er aufgrund von Zeitmangel nicht stehen bleiben wollte, womit Marcs' und die allgemeine Laune wieder ein Stückchen angehoben werden konnten. Im Zug kamen wir dann erstmal wieder zu etwas Ruhe, bewaffnet mit Kotztüten fuhren wir zum Düsseldorfer Flughafen. Aber genau hier, liebe Leser, begegneten wir auch unserem ersten WTF-Moment!!! Genau auf der Hälfte des Weges, wo Roman langsam zu sich kam und seine ersten neuronalen Zellen hochfuhren, bemerkte er etwas...etwas, das die Macht hatte vorheriges Gelächter verstummen und sämtliche Mundwinkel nach unten fallen zu lassen:


"Jungs, ich glaub', ich hab was vergessen...ich sehe hier nirgends meinen Reiseunterlagen...meine Folie mit dem E-Ticket, die Sheets mit den japanischen Wörtern und Phrasen...FUUUCK...darunter befand sich auch mein Reisepass!!!"

"Halt die Fresse, Roman, mach keine Witze, nicht lustig man." erwiderte Marc mit einem Grinsen im Gesicht. "Ich mach keine Witze man, ich muss sie wirklich bei dir daheim auf'm Bett liegen lassen haben!"
"WAS?? DU BIST SO DUMM ROMAN, WIR KÖNNEN NICHT MEHR ZURÜCK, WIR  ALLE VERPASSEN JETZT UNSEREN FLIEGER, ODER DU BLEIBST DAHEIM!", schnauzte Marc.


Also schnell alle Möglichkeiten evaluieren und einen Entschluss fassen! Zu unserem Glück und der gottgegebenen Kombinationsgabe, kamen wir auf die Idee den Gospelpriester Chris zu kontaktieren. Bestenfalls war er noch daheim und könnte den Pass nachliefern. Und genau dieser beste Fall trat ein: Roman und Jacky stiegen erstmal aus und fuhren zurück nach Bochum, wo sie dann auf Chris warteten, während Marc und Miguel weiter mit dem Gepäck zum Flughafen fuhren um einzuchecken, eine ganze Rück- und zweite Hinfahrt wäre nämlich zeitlich nie und nimmer möglich gewesen. Weil wir, wie wir später dann auch oftmals feststellen durften, mehr Glück als Verstand haben, konnten sowohl Marc und Miguel für uns alle drei einchecken (Roman musste sogar telefonisch einchecken, weil er sonst bei seiner Ankunft vor einem geschlossenen Check-In Schalter stehen würde), als auch Roman und Jacky Chris für die Übergabe des Reisepasses treffen und noch rechtzeitig die Anschlussbahn bekommen. Dort angekommen verabschiedete man sich von Marcs Mätresse Jacqueline und boardete direkt, fast ohne Wartezeit, jedoch waren wir verwundert, warum da kein Schnee lag....baeaeaeaeaehaehaehaehae. Das war das erste Mal, wo wir wieder durchatmen konnten.

Der Flug nach Dubai war nicht wesentlich spannend, die ganzen zehneinhalb Stunden verbrachten wir mit Filme schauen, Musik hören und schlafen. Oder wartet mal...doch: Roman hat in der Boeing 777 kurz nach dem Start gekotzt! Alle Passagiere dachten er hätte Flugangst, sie wussten ja nicht, dass es alkoholbedingte Kotzerei war. Glücklicherweise brachte ihm eine Stewardess Anabolika gegen Übelkeit. Am DBX blieben uns etwa zwei Stunden bis zum Weiterflug, diese füllten wir mit Gaffen in den überteuerten Duty-Free-Shops und Essen im Burger King, wo wir zum ersten Mal Arabs-Wechselgeld zurückbekamen. Wir nannten es Arabs, weil wir nicht verstanden, wie der Name der Währung war, uns kam es immer vor, als laberten die eigentlichen Arabs (Angestellen, Personal, etc) immer was von "Drihrhrmmasmarhrhms". Im Warteraum vor dem Boarden auf den Flieger nach "Osaka Kansai" wurde uns langsam klar, in welche Lage wir uns eigentlich gebracht hatten: schon hier waren die meisten Menschen geklont, wir drei kamen uns beim Boarding einfach vor wie Fremdkörper...aber die Art von Fremdkörper, die einen Organismus (in diesem Fall die japanische Kultur und Zivilisation) leiden und zugrunde gehen sehen will.

Neben Roman saß eine alte Japanerin, etwa sehr alt bis uralt, konnte ein wenig Englisch und kam mit ihm ins Gespräch, weil er die Zeit im Flug nutzen wollte um sein Japanisch-Vokabular etwas aufzustocken, sie erwies sich als nützlich und nicht vollkommen wertlos, da sie ihm ein wenig bei seiner ohnehin fast perfekten Aussprache helfen konnte. Und gerade dann, wo Marc für eine Sekunde wegschaute, fiel Roman über die alte Dame her wie ein wütiger Tornado und macht mir ihr hemmungslos rum, true story! Marc war tam so eifersüchtig, ischöörr! Und doch war es für ihn eine "Well that escalated quickly"-Situation. Irgendwann, nach etlichen Stunden plattgesessener Ärsche, sahen wir endlich auch das wunderschöne, japanische Festland und waren total außer uns. Bis zur Landung waren es nur noch Bruchteile von Millisekunden...welch Schicksal sollte uns diesmal ereilen, würde Matsu wirklich noch einmal komplett auf Risiko gehen und auf eine Horde von Japanophilen warten? Wir wussten es nicht, ehrlich gesagt wir wussten gar nichts mit uns anzufangen, sobald wir dort wären. So zählten wir also komplett auf Matsu...
Jya na!


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