Donnerstag, 26. Februar 2015

Tag 2: "Sunimasä? Sumimasen! Gombalé? Ganbatte!!!"

*Splaaaasshh*
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"Hyyaahhhh..." war der Wortlaut von Marc am nächsten Morgen, als Roman ihm Wasser über seine Visage kippte, damit dieser endlich mal aus dem Bett kommt. Mit oder ohne Morgenlatte, das war Roman egal, hauptsache raus aus den Federn. Wir waren durch den Stadtbummel der letzten Nacht ziemlich müde und haben gerade mal ca. 4-5h Schlaf gehabt. Das reichte. Es war diesen Morgen nämlich geplant mit Matsu in einem Diner frühstücken zu gehen und diesen Plan wollten wir um keinen Preis durch unsere Unfähigkeit in den Sand setzen. Frisch geduscht begaben wir uns durch Pan's Labyrinth zu Matsu ins Esszimmmer, welches sich zu unserer militärischen Basis für sämtliche Planungen gemausert hatte. Marc fühlte sich nicht gut an diesem Morgen, weder vom Aussehen her, noch charakteristisch, noch magenfest. Dies spielte Romans Schadenfreude direkt in die Hände, die er sich judenhaft rieb. So fuhren wir ca. gegen 10 Uhr morgens mit Matsus schickem Mini Cooper los in einen anderen Stadtteil, der Matsu's Lieblingscafe beherrbergte, in welches er uns unbedingt ausführen wollte. Wir parkten direkt vor dem Diner und  konnten uns von Matsu darüber unterweisen lassen, wie das Parksystem funktioniert. Und zwar ist es kurzum gesagt so, dass das Auto den Parkplatz nicht verlassen kann, solange man die Parkgebühr nicht entrichtet hat. Ein aus dem Boden hochfahrendes Hindernis blockiert das Auto, solange es geparkt ist. Um nicht vollständig nass zu werden (es war warm, doch es pisste stark an diesem monsunartigen Morgen), mussten wir ins Diner wie behinderte Kids rennen. Matsu meinte nicht umsonst, wir sollen Regenschirme mitnehmen. Nicht zuletzt bewies er damit, dass er ein kluger und vorausdenkender Shogun ist. Sogleich konnten wir aus einer Kleinzahl leckerer Frühstücksspeisen auswählen, allesamt sehr schön bebildert und fertig zubereitet genauso wie auf dem Bild und nicht wie die verlogene Werbung vom Burger King und Co....Obama approves:

unsere Gesichter angesichts der wahrheitsgemäßen Bildern in der Speiskarte
Während alle ihre Schlemmerspeisen genossen, konnte Marc nur ansatzweise versuchen diese Gefühlslage zu erreichen. Dies gelang ihm aber aufgrund einer spastischen Lähmung nicht. Ihm war so kotzübel, dass er nach einigen Bissen auf sein Frühstück komplett verzichtete und nur noch sein Wasser trank, während seine Augen das Cafe nach einer Toilette abscannten. Sein Schamgefühl gegenüber dem spendablen Matsu wurde schnell von dem nächsten Kreislaufcollaps übertönt. Zeitgleich wurde das stehengelassene Frühstück von Miguel und Simon wie von hungrigen Aasgeiern in Stücke gerissen.  Nach Ende des Frühstücks verließen wir dieses stets in unserer Erinnerung bleibende Cafe und begaben uns mit Matsu zur nächsten Citybank. Sie stellte unsere letzte Chance auf nur irgendwelches Geld in diesem Land dar, denn alle anderen Möglichkeiten Bargeld abzuheben hatten wir bereits ausgeschöpft. Lucky basterds, wie wir sind, weil der Verstand ja oftmals fehlt, konnten wir bei dieser Bank erfolgreich an Geld kommen. Nur Miguel nicht, den der hatte seine PIN natürlich daheim vergessen, ihr erinnert euch an den vorhergehenden Eintrag. Seine erneute Dummheit durfte nicht ungestraft bleiben, auf seine Frage, ob wir ihm Geld leihen konnten, erwiderten wir nur, dass er jetzt eine Zwangsdiät durchführen muss. So #läuft es nicht, Freundchen!

Back at home, in unserer Crib bei Matsu geschah das, wofür Roman Marc in den letzten Tagen ausgelacht hatte: Sein Körper, der fast so genauso schwach und kraftlos ist wie sein verwüsteter Geist, gab nach...und er sich über...in der Toilette...wie eine Transe nach einer Koks-Würstchenparty, baehaehaehae. Während Marc schlief und sich von der Magenentleerung erholte, machten sich die restlichen drei Dudes für den ersten, richtigen, touristischen Ausflug in Japan bereit. Das Ziel: Osaka Castle, ein Schloss, dass nach mehrmaligen Feuerfangen in verschiedenen Zeitepochen wieder aufgebaut wurde und seitdem zur Besichtigung für Touristen dient. Etwa gegen 14 Uhr sind wir dann los zur U-Bahn, die anfangs durch die vielen Wege und niemanden der Englisch spricht ein wenig verwirrend wirkt. Aber durch die Starthilfe von unserem Sensei Matsumasa (der nicht mit uns kam) fanden wir den Weg fast ohne Probleme und nach einigen Stationen waren wir auch schon angekommen. Beim U-Bahnfahren ist uns das erste Mal aufgefallen, wie starr alle auf ihre Handys schauen und entweder mit anderen Japsen texten, Bücher lasen, oder einen Highscore nach dem nächsten jagen. Wir ließen uns von dieser trockenen Stimmung nicht davon abhalten unter uns zu labern und zu lachen.


Die drei Fragezei.....nein....die drei Faggots.

"What is this? A shrine for ants???"
Da waren wir nun endlich, am Zikadenpark der 901 Samurai der Edo Periode. Noch nie haben unsere Ohren solch einen lebendigen Garten der Unruhe erlebt, auf jedem Baum saßen Zikaden und zitierten ihre Paarungsrufe, wobei sie sirenenartig leise anfingen und immer lauter wurden, total nervig zu Anfang. Bis auf Roman hatten die anderen drei Jungs zusätzlich mit Moskitos zu kämpfen, den Zuchtrussen schienen diese nicht stechen zu wollen, warum auch immer. Schwarzes Blut halt.

Princes of Lightness
Wohin man nur schaut....
...eine Flucht aus dem Osaka Castle ist nicht möglich...
...oder doch?
Die allseits bekannte Seidenstrasse.
Roman hat ihn stets dabei, den SWAG
Eine waschechte Kampfkunstschule.
Quoten-Touri-Foto des Tages: Was ist nur verkehrt mit diesem Jungen?
Nach einem lockeren Spaziergang waren wir auch am Osaka Castle angekommen, "500 Yen Entry Fee" hieß es. Kein Problem, "Peanuts", das war unsere Devise am Anfang des Urlaubs.

Sie nannten uns auch die "Toypimps"
Sugoi!
Raggot und Jaggot
Man nehme ein Baby, erwürge es, schände es und esse es danach vollständig auf. Das wäre der Täter.
Zikade - eine Subkultur des ägyptischen Scarabäus
Im Castle selbst konnte man in einem der höheren Stockwerke gegen eine Gebühr in ein Samuraioutfit schlüpfen und sich ablichten lassen. Unser Clown Roman war fast dabei mitzumachen, wäre nicht nur der etwas zu hoch angesetzte Preis von ca. 1500 Yen, der ihn davon abhielt. Peanuts? Wir redeten nicht von Kokosnüssen, Junge!!!!


Angekommen im obersten Stockwerk, nach 1000 Treppenstufen bekamen wir das, was einen all das mühselige Hochlaufen wieder vergessen lässt, einen wunderbaren Ausblick auf Osaka, O.M.G. WIE WUNDERSCHÖN, (NO HOMO)!



Und es gab natürlich auch einen Souvenirshop, welchen das lausige Depp-Triplet sofort mit Geld fütterte. Nach ein paar homoerotischen Bildchen mit Miguel und einigen innigen Minuten mit sich selbst und der Aussicht gingen wir all die Treppen runter, der Aufzug war entweder für "Staff only" oder war schlicht nicht in Betrieb. Jedenfalls waren wir schneller draußen, als drinnen, if you know what I mean. Draußen vor dem Castle bat uns ein Team für Demographieforschung darum, einen ihrer Fresszettel auszufüllen, da offenbar sonst keiner Bock auf diese Leute hatte. Somit waren wir Europäer ein gefundenes Fressen. Wir gaben für sie gerne einige Infos über unseren Aufenthalt preis. Als es zu den obligatorischen Fragen über die Intimmaße kam, fiel auf, dass besonders die weibliche Demografin mit gehobener Aufmerksamkeit, Sorgfältigkeit und Geschwindigkeit unsere Antworten mitschrieb. Nach dieser kleinen Abwechslung von den Sorgen des Urlaubs, machten wir uns auf den Weg in die City um irgendwo zu Abend zu speisen.

Unser Wunsch an diesem Abend war, in einem Lokal/Restaurant zu essen, der ein "Eigo Menyuu" hat, ein Menü ins Englische übersetzt, damit wir wissen, was wir eigentlich bestellen, denn nicht überall war die Speisekarte bebildert. Außerdem sollte nach Möglichkeit vegetarisches Essen zu bestellen sein. Alle paar dutzend Meter weiter stellen wir fest, dass nicht einmal der Dschinn aus der Flasche uns auch nur einen dieser Wünsche erfüllen konnte, denn nirgends gab es irgendwas auf Englisch: nichts, nada, niente! Wir gaben die Suche auf und gingen in ein hübsches Restaurant, welches außen sowie innen leicht traditionell gestaltet und mit Ebenholz verziert war. So blieb uns nichts anderes als Gerichte nach Bildern einzuschätzen und blindlings zu bestellen. Marc hatte sich fest vorgenommen, seinen vegetarischen Lifestyle so gut wie es ging fortzuführen, doch spätestens an diesem Abend wurde seine Erwartung auf Null reduziert: Japaner sind wahre Carnivore und Vegetarier sind Menschen zweiter Klasse, ergo sie kümmern niemanden. Veganer kennt man fast überhaupt nicht, nur als Witz. So bestellten wir also jeder irgendetwas woran er visuell Gefallen fand. Gefallen fanden wir auf jeden Fall alle an der Bedienung, ein wirklich sympathisches Fräulein war das. Als Marc sie fragte ob es vegetarischen Fraß gab, schüttelte sie ihr Köpfchen. Während man unsere Gerichte zubereitete, zogen wir ein Zwischenfazit für den heutigen Tag. Wir waren uns einig, dass wir mit unvorhergesehenen Problemen konfrontiert worden sind, allerdings konnten wir auch eine Einigung darin finden, dass jeder in der Gruppe einen Zweck mehr oder minder erfüllte.

Simon wusste gut über die Kultur der Japaner Bescheid (da er schon einige Tage vor uns eingereist ist), Marc hatte den Orientierungssinn (dachten wir zunächst), Miguel ist eine lebende Infobox und Roman konnte den Japanern verständlich vermitteln, wonach wir suchten etc.. Dazu Miguels rekonstruierter Wortlaut: "So schlecht steht es um uns eigentlich gar nicht, Simon hat kulturelles Wissen über die Japaner, Marc kann sich gut orientieren, ich habe etwas nützliches Allgemeinwissen und Roman ist DER Sprachtalent!" Wir brachen in Gelächter aus, Miguel hatte den Tag gerettet und gleichzeitig bestätigt, dass er schon mal NICHT so ein Talent ist. Wohlgenährt und glücklich verließen wir das Lokal mit der süßen Bedienung und waren gespannt, was uns noch so an diesem Abend alles erwartet. Den Rückweg zu Matsus Behausung wollten wir nochmal über Minami-Senba nehmen, weil dieser Distrikt schon auf dem Hinweg bunt und voller lustiger Persönlichkeiten war. Wir kamen dort auch das erste mal an "Mos Burger" vorbei. Da wir bereits satt waren, sind wir nicht rein, die Plakate jedoch sahen jedenfalls sehr einladend aus. Der erste Gedanke, der Roman durch den Kopf schoss, als er diese Werbung betrachtete, ist die untere Abbildung, die ihn an einen uralten, ja beinahe schon in Vergessenheit geratenen Freund erinnerte. Sehr zutreffend, wie wir finden.

Voilà, das hässlichste Würstchen der Welt.

"Denn du musst auch hart sein, wenn der Beat nicht mehr läuft..."
Das Schicksal erlaubte uns ein weiteres lustiges Ereignis zu erleben. Während wir locker vor uns quatschend herschlenderten kam uns eine laute und tanzende Gruppe entgegen, die anscheinend auch auf dem Heimweg war. Offensichtlich unter Alkoholeinfluss stehend, rannte einer dieser jungen Männer urplötzlich auf einen Müllsack zu und kickte diesen wie einen Fußball, natürlich in unsere Richtung, wenn auch unbeabsichtigt. Roman machte einen Seitenschritt, der Müllsack streifte an ihm und Marc vorbei und beide gingen weiter, ohne sich aufzuregen oder sonstiges, denn es war ja nichts ernsthaftes passiert und wir wussten, dass diese Gruppe schon alkoholisiert war, also ließen wir Gnade walten und lächelten der Gruppe entgegen. Trotzdem begriff dieser Typ, dass diese Aktion nicht angemessen war und entschuldigte sich sich sofort lauthals bei uns mehrmals. Obwohl wir ihm seine Unzüchtigkeit schon längst vergeben hatten, plankte er auf dem Boden vor uns. "It's okay, we're fine! You don't need to do that!" zwitscherte Roman, der Japaner stand auf, bedankte sich nochmal verbeugend mit zu gefalteten Händen und beide Gruppen gingen ihrer Wege, wobei unser Weg uns in unser Nachtlager führte. Bei Matsu sammelten wir erstmal unsere Wut für die nächsten Stunden des Abends, denn es war erst kürzlich dunkel geworden, zu Bett gehen war noch lange nicht drin! Nach einigen köstlichen Teeproben von eigenartigem Geschmack und Diskussionen über ferngesteuerte Kakerlacken zog man also wieder von dannen ins nächtliche Osaka-Downtown für ein paar Bier und lüsterne Blicke. Dort geschah es auch, dass wir beim nächtlichen Shoppen im Family Mart wieder eine lustige Situation erlebten. Natürlich wollten wir uns möglichst höflich und integrativ zeigen gegenüber den Leuten dieser einsamen Insel. Daher dachte sich Roman, es wäre nicht verkehrt nach Erhalt des Rückgeldes sich vor dem Kassierer zu Verbeugen, genauso wie es der Kassierer vor ihm tat. Was wir aber nicht wussten war, das es verschiedene Formen dieser Geste gibt. Genauer gesagt, je wichtiger das Gegenüber, desto tiefer verbeugt man sich, sowohl beim Grüßen, als auch beim Abschied. So ist z.B. die Verbeugung vor seinem Chef längst nicht so demütig, wie wenn man den Präsidenten persönlich treffen wurde oder jemanden, den man wirklich verletzt oder mit ungenügend Respekt behandelt hat. So. Roman aber, in all seiner Herrlichkeit und Güte, machte vor dem Verlassen des Family Mart beinahe eine 90° Beugung nach vorne, dies zwang den Kassierer dazu sich noch tiefer zu Verbeugen, der der Kunde ja auch im Land des Kamikaze als König erachtet wird. Dadurch hat sich der Kassierer fast den Kopf an den Tresen gestoßen. Während Roman beim Gehen dieses Spektakel absolut nicht auffiel, musste der Rest der Truppe sich stark zurückhalten nicht zu lachen. Damit war der Tag abgeschlossen.

Bye-Bye!

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