Samstag, 28. März 2015

Tag 4: Draw me like one of your japanese whores!

ÖÖÖhhhhöööhhhöööööhhhööööhhhhhh.....wenn der Hahn 3 mal kräht, ist es Zeit aufzustehen...das zumindest dachte sich Romans eigensinniger Verstand in seinem Kopf am nächsten Morgen. Es gab in Wirklichkeit keinen Hahn. Und Roman hat keinen Verstand. Marc wurde durch ein Geräusch geweckt, welches sich als "Shako Jirei" des japanischen Frühstücksfernsehens entpuppte. Nach einem kurzem Blick aufs Handy drohten ihm seine Halsschlagadern zu platzen. Er konnte nicht fassen, dass Roman nach nur 10 Stunden Schlaf in den letzten drei Tagen nun trotzdem um 8 Uhr in der Früh munter und fröhlich fern sah. "DU VERDAMMTER HURENSOHN, MACH DIE KISTE AUS UND LEG DICH SCHLAFEN, SONST SCHLAG ICH DICH TOT!" nörgelte Marc. Romans typisch dreiste Reaktion darauf war natürlich nur: "Waaas??? Ich kann nicht mehr schlafen und mir ist langweilig." Roman darauf tat, was er immer tut und zwar nur das, was sich in seinem Kopf abspielt und nicht das, was andere ihm sagen a.k.a. er machte das Programm etwas leiser, sodass Marc wenigstens halbschlafen konnte. Nachdem der Zuchtrusse allerdings feststellte, dass er sowas von gar nichts versteht, entschied er sich dazu, einmal produktiv zu sein und Orte rauszusuchen, die wir am nächsten Tag besuchen konnten inklusive Busverbindungen etc. Als der Hahn das vierte Mal krähte, wurden auch Marc und Miguel wach. Nachdem der Einkauf im FamilyMart für unterwegs getätigt worden war, gingen wir in Holly's Cafe, von dem wir glaubten, es sähe von innen aus wie ein amerikanisches Diner mit zugehörigem "American Breakfast, Motherfucker!". Doch die Enttäuschung wartete bereits an der nächsten Ecke auf uns: diese Cafekette sah absolut nicht amerikanisch eingerichtet aus, die Bedienung sprach natürlich kein Englisch und es gab Pancakes mit Ahornsirup....hmmk. Dabei weiß jeder, dass diese Sachen zum Frühstücken typisch Italienisch sind. "Gia's Café" hätte besser gepasst. Leider hatten wir keine Zeit mehr uns groß aufzuregen, geschweige denn Lust dazu und frühstückten halt dort. Danach ging es direkt zu Fuß durch das schöne Stadtviertel namens Gion mit seiner Tempelanlage, die unser Tagesziel für heute darstellte, vor allem 1-2 Tempel, die wir von Matsu höchstpersönlich empfohlen bekommen haben. So liefen wir los. Schon der Eingang der Tempelanlage wusste mit seinem Charme zu gefallen dank all den rouangenen Toren.

Der Eingang der Yasaka Tempelanlage und hinter uns das sehenswerte Viertel Gion
So liefen wir durch die Gärten an unzähligen Tempeln vorbei und kamen aus dem Staunen nicht heraus, weil die Architektur sehr stark an die Europäische erinnert, nur umgekehrt. Irgendwann kamen wir auch an einen Pfad der leicht bergauf ging und bespickt war mit Fallen in Form von Geschäften, die allerlei Souvenirs und "Presentos" anboten, die Variationsspanne reichte von Gewürzläden bis zu Menschenhandel.

Shopping-Mopping, wuzz luzz!
Bei God Of War endete es nicht. Er wurde restauriert und nach Japan verfrachtet, der Koloss von Rhodos!
35 Grad und Sonne - Vor lauter guter Laune verschenkten wir Schweißperlen! äähähähääää
Dieser Gestaltenwandler erntete wie schon anderorts auf der Welt skeptische Blicke - der Geist der vorletzten Weihnacht.




























Inmitten dieses Chaos von Ingwer und kleinwüchsigen gelben Sklaven fiel uns ein kleines unscheinbares Geschäft auf, in das wir hineinstolperten. Es war ein Karikaturenladen, geschmückt mit selbstgezeichneten Bildern von Stars und Sternchen sowie Osman-Verbrauchern wie uns. Die Zeichnungen waren lustig, facettenreich und wahrhaft rüpelhaftig, doch bei einem Preis von 3500-5000 Yen (25-35 Euro) blieben uns selbst als erfahrenen Moneten-Schmelzer die Luft im Atem stehen. Wir teilten dem Bildhauer mit, dass wir es uns überlegen  und eventuell später wiederkehren würden, da wir noch andere Geschäfte vor Ladenschluss besuchen wollten, die unser Geld wollten. Sobald gelangten wir zu einem weiteren von Semiten erdachten Geschäftsmodell: Der Wunschhöhle. Vor Eintritt war es obligatorisch, die Schuhe mit traditionellen japanischen Pantoffeln zu ersetzen und einmal an den Schweißfüßen des Vordermannes zu riechen. Miguels Füße glichen dem Gestank eines mexikanischen Massengrabes. Hinab in feucht-dunkle Tiefen! Der Gang durch die Wunschhöhle der Tugend erwies sich als äußerst dunkel und feucht. Außer einem Geländer leitete uns nur der Gestank von Miguels Füßen durch das unterirdische Labyrinth. Mit Roman als letztem Mann bot sich die Konstellation der Touristenkette gut dazu an, ihn glauben zu lassen, wir wären nicht allein. Mit einem geschickten Handgriff nach hinten touchierte Marc Roman an der hinteren unteren Rückenhälfte. Sein lauter Angstschrei ließ für einige Sekunden sogar den umgarnenden Schweißgeruch von Miguel in Vergessenheit geraten. Gegen Ende der Tour erreichten wir endlich den angepriesenen, von oben beleuchteten Stein der Gelben. Marc dachte, je schneller der Stein sich dreht, desto schneller geht sein Wunsch in Erfüllung, deshalb drehte er was das Zeug hält. Ein ungeduldiger Mensch, wie sich später bewahrheiten wird. Raus aus der Höhle mussten wir uns erstmal an die Helligkeit und die trockene Luft gewöhnen.

Item found: Roman ist nur 45 Erfahrungspunkte vom nächsten Level Up entfernt
Anstatt ein weiteres Mal an den Schweißfüßen von Miguel riechen zu müssen, entschieden wir uns für die obligatorische "Spende" von 100 Yen. Unsere Reise führte uns zu einer weiteren ausgedachten Geldketzerei. Für einen Marsch über einen von hölzernen Stelzen getragenen Tempel, der von Bonus-Challenges wie Zündkerzenstecken und versteckten Items wie dem Buddha-Nigger nur so stolzte, galt es ein weiteres Mal tief in die Taschen zu greifen. Für einen atemberaubenden View über die ganze Anlage und die City war es aber diesmal die paar Groschen wirklich wert!


Nach dem Überqueren des hölzernen Tempels ging es auf einem gepflastertem Weg weiter. Doch plötzlich hörte unser Atem auf zu laufen-ebenso wir selbst. Vier möchte-gern-Geishas standen einfach nur am Wegesrand als ob sie den D. wollten. Und selbst wenn wir das uns nur einbildeten, ein Foto wäre dennoch angebracht. Leider schrumpften unsere Schwänze und Eier dermaßen, dass unser Gehirn uns mitteilte, es wäre unmöglich die vier jungen Damen direkt danach zu fragen. Glücklicherweise kamen diese auf uns zu und bettelten  uns an mit ihnen einen Schnappschuss zu machen. Pic's or it didn't happen? See below motherfuckers!

Sieht man es ihnen nicht an?! Waschfalsche Geishas
Second Time Anal in Kyoto
Miguel, ein Roman ähnelnder Mensch und Marc
Der hölzerne-stelzernde Kodai-ji Tempel aus der Ferne
An obigen Tempel (oder was auch immer dieser japanisch-traditioneller Turm darstellen soll) fiel Roman eine japanische Touristin auf, die Selfies mit ihrem Kuscheltier machte, genauer gesagt VON ihrem Kuscheltier, also OHNE ihrer Selbst im Bild....es war strange sowas zu sehen, eben einer dieser äußerst seltenen Momente, wo man sich einfach nichts denken kann, gar nichts, nicht Negatives, nichts Positives, einfach nur "WAAASSS?". Komischerweise passiert sowas immer nur im Ausland, weil man Sachen sieht, die einfach nicht alltäglich für einen in der Heimat sind. Scheinbar gibt es sogar für sowas Trends, denen so manche Leute folgen. Nach den Posings vor dem Turm führte uns unser Weg wieder in die Straße mit den ganzen Souvenirgeschäften, in die wir diesmal einen Abstecher machten, zumindest in einige davon. Zum einen gab es diesen Gewürzladen, der solch interessante und vor allem wohlschmeckende Gewürze/-produkte hatte, dass Marc und Miguel sich trotz der fairen Bepreisung nicht lumpen ließen und davon gleich einige einkauften. Eines der Gewürzpäckchen ging sogar auf Kosten des Hauses, denn selbst der an exotische Düfte gewohnte Ladenchef konnte diesen höllischen Gestank, der aus Miguels Richtung kam, nicht ertragen. Er machte Miguel klar, dieser solle seine Füße damit einreiben oder das Geschäft verlassen.

Da wir uns vorher informiert hatten, welche Spezialitäten Kyoto bot, suchten wir auch nach einem passenden Geschäft, dass uns "Yatsuhashi" verkaufte. Lang suchen mussten wir nicht, denn ungefähr jedes zweites Geschäft in dieser "Souvenirstraße" verkaufte Yatsuhashi. So kauften wir welche für unsere Liebsten in Übersee ein, natürlich auch für Matsumasa, denn er war der Vater der Idee, uns nach Kyoto zu schicken. Alsbald hatten wir auch schon das Karikaturgeschäft wieder zu unserer Rechten, das wir vor der Tempelanlage bereits beschnuppert hatten. Alle Geizzweifel über Bord geworfen entschieden wir unser kaiserliches Antlitz porträtieren zu lassen, natürlich nicht von einem Smartphone, nein, von Hand. Und zwar von einen Gaukler, dessen Zeichenfertigkeit seines Gleichen suchte. Bevor er loslegte, musste er noch die anderen Kunden fertigzeichnen. Und so geschah es, dass wir uns hinsetzten und er loslegte mit seinen Buntstiften wie nie zuvor in seinem kümmerlichen Leben, denn er wusste, drei westeuropäische Exemplare kriegt er so nie mehr vor seine schmalen Äuglein. Zudem waren nach der ganzen Wartezeit mittlerweile Voyeure in den Laden gestürmt, die sich dieses Spektakel mit ansehen wollten. Gut, es waren wohl überwiegend Hausfrauen, wohlgemerkt attraktive Hausfrauen, also drückten wir beide Augen zu und ließen sie ihrer immensen Neugier nachgehen. Während der Zeichner sich vollkommen seinem Werke dedizierte, nutzten wir die Möglichkeit uns mit den Zuschauern zu unterhalten und das Evangelium im Land der Buddhisten zu predigen. Also quatschen wir ein wenig mit den Zuschauern um etwas lockerer zu werden, es sollte ja kein Gemälde werden. Immer wieder erhellten Oh's und Ah's den sonst wortkargen Raum, "very handsome" hieß es sogar einmal. Allerdings schürte gerade das unsere eigene Neugier nur noch mehr, sodass ein weiteres geduldiges Warten kaum erträglich schien. Zu unserem Glück war der Zeichner fertig geworden und als das Kunstwerk das Licht der Welt erblickte, brachen wir 3 in Gelächter aus. Jedoch ausnahmsweise mal nicht aus Spott, sondern weil die Karikatur durch und durch gelungen ist und wir uns damit wirklich auf surreale Art und Weise identifizieren konnten. Wir bedankten uns beim Zeichner herzlich, entlohnten großzügig seine Arbeit und zogen von dannen.




Es war Zeit für den Heimweg. Schon kurz vor dem Wiederverlassen Matsus einzigartigem Besichtigungstipps stießen wir noch auf ein kleines Schmankerl, dass besonders Marc als Gitarristen den späten Nachmittag versüßen sollte: Aki Miyoshi. Aki war ein Straßenmusiker, der sein Lager Zwischen all den Tempeln aufgeschlagen hatte. Mit einer Akustikgitarre und zahlreichen Anschlag- und Zupftechniken bewaffnet, zog er uns in den Bann. Wir gafften mit offenen Mündern und lauschten mit aufmerksamen Ohren, was dieses Genie mit seinen geschmeidigen Japsenfingern so anstellte. Nach Ende der Vorstellung kam Marc nicht umher dieses Wesen zu kontaktieren. Sein Stil erinnerte ihn an Sungha Young. Für diejenigen, die Sungha Young nicht kennen: Bekannt durch sein Cover des Themas "Pirates of the Carribean" wurde er schon als 5-Jähriger Gitarrist weltbekannt über YouTube. Mittlerweile gehört er durch seine Arrangements von Popsongs auf Akustik-Gitarre zu den bekanntesten Japanern weltweit. Auf die Frage, ob Aki denn Sungha Young kenne, oder je von ihm gehört hatte, kam von ihm ein "Hä, who?". Aber dann: "Ah Sungha, my friend!" Wir konnten es nicht fassen, doch der kleine Mann vor uns war tatsächlich ein enger Freund des Weltstars und hatte bereits zahlreiche Jamsessions mit ihm durchgemacht, was er uns direkt per Smartphone demonstrierte. Auch Aki war nicht wenig überrascht, dass ausgerechnet die ignoranten Deutschen an seiner Musik interessiert waren. Nicht nur für seine Musikalität, sondern auch für seine Freundlichkeit kauften wir seine CD. True Story!



Es war an der Zeit den Park zu verlassen, wir hatten alles gesehen, alles gemacht was wir machen wollten, der Abend wartete nun darauf von uns vergewaltigt zu werden. Unglaublich, aber wahr ist, dass auf unserer Tagesliste noch die Teilnahme an einer japanischen Teezeremonie stand, etwas was man während eines Japanurlaubs unbedingt machen sollte, wenn man die Möglichkeit hat. Leider failten wir bei dieser Unternehmung etwas, weil das Teehaus immer zu hatte, wenn wir gerade in der Nähe waren. Bedauerlicherweise blieb uns dieses Vorhaben auch für den Rest des Urlaubs vergönnt. Wir ließen die Köpfe jedoch nicht hängen und suchten erstmal eines dieser Kettenrestaurants, das schnell zubereitetes, Fastfood-ähnliches Essen servierte. Die Bestellung und Bezahlung läuft über einen Automaten mit Touchscreen ab, an dem man sich sein Menü zusammenstellt oder ein vorgefertigtes auswählt. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir solch eine Lokalität aufsuchten.

Wir machten uns nach dem Speisen direkt auf den Heimweg zum Hotel, es musste darüber abgestimmt werden, wo man sich den heutigen Abend mit Bier verbittert. Davor wollten wir aber unbedingt unsere Seelen von alltäglichen seelischen Lasten, die man so mit sich rumschleppt wie Tripper, befreien, indem wir in einen Onsen bzw. Onsen-ähnlichen Badebereich des Hotels zum Entspannen gingen. Diese Art zu Baden unterscheidet sich drastisch von der, die wir in Europa praktizieren. Bereits der Eingangsbereich durfte nur mit speziell dafür bereitgestellten Badeschuhen betreten werden. Außerdem gab es separate Badebereiche für Männer und Frauen, was üblich für Onsen ist. So betraten wir 3 weiße Nackedeis das Bad, schrubbten uns gegenseitig die Rücken und bestiegen das mit 40 Grad Celsius heißem Quellwasser gefülltem Becken. "Wo ist dein Penis, Alter?" fragte Marc unseren Mexikaner, "Ist er etwa auch vom Gestank deiner Füße geflüchtet?" und schüttelte den Kopf. Miguel schwieg. Immer nach ca. 10 Minuten wurde es dann allerdings auch zu heiß und da Roman zu kollabieren drohte, stiegen wir aus dem Becken und kühlten uns mit kaltem Wasser ab um dann nach einer Verschnaufpause wieder einzusteigen. Das Ganze machten wir 3 mal bis wir uns komplett ausgelaugt fühlten, Miguel aber, hatte uns schon vorher verlassen, denn so viele haarige Yaraks auf einmal waren ihm einfach zuviel des Guten. Ihr müsst wissen, Japaner halten ihren Schambereich al natura, da wird nichts am Bonsaibäumchen korrigiert oder weggeschnitten. Wir zwei verließen den Onsen und begaben uns auf unser Zimmer wo Roman wie ein Toter zu Bett fiel und einschlief, während Marc und Miguel die Liste an Bars zusammenstellten, die wir an diesem Abend noch besuchten sollten. Natürlich sollte Romans Moment der Unachtsamkeit für eine Gemeinheit genutzt werden, denn es war nur gerecht, ihn seinen Preis für all unsere geraubten Nerven vorheriger Tage zahlen zu lassen.

Da wartet er, dieser Gimp.
Wir verließen das Hotel für eine Reihe möglicher Abenteuer in dieser Nacht. In einer Gasse machte uns ein zwielichtiger Kerl ein Angebot, was man laut ihm selbst nicht abschlagen könne und zwar eine Massage mit Happy End bzw. Blowjob, das ganze Paket für 7000Yen (50 Euro). Roman, der in fremden Ländern stets zu allen außer seinen Nächsten nett sein möchte, versuchte zu erklären, dass wir kein Interesse hätten. Marc jedoch, streitsüchtig wie eh und je, wollte mit ihm ein wenig spielen. Sein Plan bestand darin, den Typen soweit runterzuhandeln bis dieser mit seiner nervigen Art und Weise aufhören und lieber in den finanziellen Ruin steuern würde, als auch nur eine einzige Dienstleistung seiner Mädchen anzubieten. Des weiteren würde Marc wissen wollen, ob es auch eine Möglichkeit gäbe, die Dienstleistung mit ihm, dem Anwerberhans und einem Oktopus in Form eines Tripletts in Anspruch zu nehmen. Aber ehe er sich versah, nahmen Roman und Miguel ihm auch schon den Wind aus den Segeln mit Einwänden wie, man habe dafür nicht die nötige Zeit und schon gar nicht das Geld. Marc gab nach und wählte dieses eine Mal den Pfad der Vernunft. Roman zwang die Gruppe sich 5 Minuten nur für ihn zu nehmen, damit er sein verdammtes Sandwich essen konnte.


Snapshot von der Schokoseite...
...und einmal der Scheisseseite.
Als echter Reggaefan, muss einem zumindest die Hälfte dieser Namen ein Begriff sein
So haben wir sie also endlich gefunden, die Reggae-Bar, die wir im Internet aus einer Handvoll "Must-been-there"-Locations fanden. Diese Bar, die ca. halb so groß wie das "Deutelmoser" in Müllheim ist, befand sich in einem Keller, welcher die entsprechende Kühle, die man in den Straßen von Kyoto vergeblich sucht, tatsächlich bot. Oder sie hatten einfach ihre Klimaanlage voll aufgedreht, ich weiß es nicht, jedenfalls war es angenehm kühl. Anfangs zumindest. Wir hockten uns also an den Bartresen, bestellten fürs Erste Bier und quatschen über dies und jenes mit dem Barkeeper, der überraschend gut Englisch für dortige Verhältnisse sprach. Im Hintergrund trällerte eigentlich gar nicht so üble Reggaemusik. Obwohl keiner von uns mit diesem Genre was anfangen kann, ließen sich die Getränke damit entspannt genießen. Zunächst relativ leer und unbesucht, kamen mit der Zeit immer mehr Leute ins "Rub-a-Dub", sodass man relativ bald fast volles Haus hatte. Hinter unserem Rücken saßen zwei Mädels, die etwas später nach uns reinkamen und sich Cocktails bestellten und uns genauestens beobachteten. Leider, warum auch immer, entschieden sich Roman und Marc sich dazu diese nicht anzusprechen, auch wenn die beiden für die Durchschnittsfrau in diesem Land gut aussahen. Vielleicht waren es die fehlenden Cojones, vielleicht weil sie uns eh nicht verstehen würden, vielleicht Miguel Füße, vielleicht die Mixtur aus allen drei Gründen, jedenfalls verblieben wir diese Nacht nur in den Träumen dieser Mädchen. Jedoch war nicht alle Hoffnung verloren an diesem Abend, hört hört! Irgendwann kamen weitere Mädels in die Bar und setzten sich direkt neben uns an den Tresen. Marc sah darin ein Zeichen eine Konversation zu starten, um einige Sachen in Erfahrung zu bringen und ein wenig mit den lokalen Menschen zu connecten, man weiß ja nie, vielleicht würden wir ja jemanden finden, der Bock hat uns Esel Kyoto und seine wunderbaren Gassen zu offenbaren. Also wagte Marc einen Versuch und fragte, was die beiden machen. Die Relevante von ihnen meinte sie arbeitet zurzeit. Schon an ihrer nicht vorhandenen Eloquenz merkten wir, Englisch war nicht ihr bestes Fach in der Schule. Fünf Minuten daraufhin erfuhr Marc auch sogleich, sie hätte Englisch studiert gehabt...studiert....STUDIERT! Marc war zeitgleich fassungslos und erstaunt, wie jemand, der die einfachste Sprache der Welt studiert hat, trotzdem auf solch einem sprachlich abgrundtief schlechtem Niveau kommunizieren versuchte. Das war's! Das war der goldene Moment diese schöne Drecksloch zu verlassen! Nur ihretwegen. Nein, eigentlich wollten wir nur rastlos bleiben diesen Abend und soviele "gaijinfreundliche" Bars abchecken wie nur möglich. Bevor wir gingen, war der Barkeeper so nett, uns einige seiner liebsten Reggaeinterpreten aufzuschreiben. Unsere Dankbarkeit zeigte sich deutlich: bis heute hat kein einziger von uns auch nur einen Finger auf die Tastatur gelegt, um wenigstens nach einem davon zu googlen.

Do your most stupid face bro, I double-dare you motherfucker!
Still fresh-lookin for more action? Check! 
Die nächste Bar sollte die "Bremer-Stadtmusikanten-Bar" sein. No shit, die haben da echt eine Bar, die so heißt! Das Specialfeature dieser Bar war eine intakte Karaokeanlage. Diese war es, die so großes Interesse in unseren kleinen Hobbysängerherzen entfachte. Als wir sie dann betraten, kam schnell Ernüchterung auf: die Bar war platzarm, es wurde geraucht, aber nicht gelüftet und die Preise für die Getränke waren unverhältnismäßig höher als bei anderen Bars. "Fuck that" sagten wir uns, und begaben uns wieder auf die Straßen des nächtlichen Kyoto. Wir gaben so schnell nicht auf und suchten weiter. Irgendwann fanden wir eine, die für Ausländer mit einem Schuss Asiatenhass geradezu prädestiniert war. Die hatten eine Leinwand mit Beamer und es lief der Tom&Jerry Cartoon. Eine Ewigkeit ist vergangen, bevor Roman es der Bedienung klar machen konnte, was wir bestellen wollten. Irgendwann kamen die beiden während ihre Flirts auf einen Zähler. Alsbald brachte man uns Bier sowie Nüsse, bei denen wir dachten, diese seien als Snack gratis. Entspannt behielten wir die Umgebung im Blick und unterhielten uns über diverse Dinge, bis es laut knallte. Marc bemerkte, da es unmittelbar in seinem peripheren Blickfeld lag, wie eine Japanerin beim Lachen zu weit mit ihrer Sushibirne nach hinten schwankte und gegen ein Holzschild knallte, es macht ein dumpfes Geräusch. Wir mussten alle lachen, Marc am härtesten. Er hoffte in seinem kleinen dreckigen Herzen, sie würde in unsere Richtung gucken und mitlachen, das tat sie allerdings nicht, auch keine von ihren Freundinnen. Sie machten keinen Hehl daraus, uns zu ignorieren. Folglich schüttelten wir drei innerlich unsere Köpfe. Und später dann auch tatsächlich, als wir feststellten, dass sie uns die Nüsse in Rechnung stellten, diese Basterde. Egal, nichts sollte an diesem Abend unsere gute Laune trüben. Wir verließen die Bar in Richtung der Nächsten, einer in der man schon eher Ausländer wie uns auffindet. Natürlich auch mit vergleichsweise günstigem Bier. ZaZa-Bar war der Name, hatte was Irish-Pub-mäßiges. Wir hockten uns an einen runden Tisch und laberten. Irgendwann warf Marc der fetten Japsin vom Nachbartisch einen Luftkuss zu, sie fing ihn auf und rieb ihn einer kreisender Bewegung an ihren Unterleib. Ab da kam man auch ins Gespräch, aber alles, was die eine Freundin von der Speckigen von sich zu geben vermochte, klang nur wie "Oh-Long-Johnson" oder irgendwas mit exakt demselben Sprachlaut. So hingen wir für den Rest des Abends mit Oh-Long-Johnsons Piratencrew ab, machten Selfies, laberten Unsinn und gingen irgendwann gegen 5 Uhr in der Früh nach Hause. Wie der Abend in Bildern aussah, seht ihr hier:

3...2...1...MONGOOOOSS, h3h3h3h3.
Lippenstiftabdruck am Leo-Poster, lel.
Oh-Don-Piano, Oh-Long-Johnson und Y-I-Eyes-Ya
Dieser Breakdance-Move wird in der BBoy-Szene auch "Call the excorcist" genannt.
Ouyasumi nasai!


Samstag, 14. März 2015

Tag 3: First time anal in Kyoto!

Der dritte Tag in diesem Land, das uns mittlerweile mit ihren Bewohner ans Herz gewachsen ist, startete nicht wesentlich anders, wie die letzten zwei: Man plant am Abend vorher alles akribisch genau, sogar das pünktliche Aufwachen, trotzdem scheitert man selbst am nächsten Morgen an den eigenen Ansprüchen. So kam es natürlich, dass wir länger schliefen, als wir wollten, viel viel länger. Bis ca. 13 Uhr um genau zu sein. Wir schindeten mit dem Aufstehkram wie Duschen etc. am Morgen möglichst wenig Zeit, denn jede verstrichene Stunde in Osaka bedeutete jeweils zwei Stunden weniger in Kyoto, der Zeitverschiebung wegen.


Izz da ROCK!
Gegen 15 Uhr waren wir auch endlich bei einer Citibank-Filiale, damit Miguel seine Euros eintauschen und wir endlich unser eigenes Geld abheben durften. Zunächst kamen wir mit in die Bank rein, holten uns das Geld, während Miguel einige Scheine ausfüllen musste, damit der Geldumtausch seine Validität hat. Man bat ihn kurz mit ins Hinterzimmer zu kommen für den restlichen Papierkram und so verschwand er aus unserem Sichtfeld. Mittlerweile war die Bank dabei zu schließen, wir wurden rausgebeten, die automatischen Schiebetüren gingen für heute gänzlich zu. Nach 10 Minuten fragten wir uns, ob wir Miguel endlich das letzte mal gesehen hatten. Zuerst entschied sich Roman nach dem Rechten zu schauen, fand Miguel aber nicht. Von dessen Suchergebnissen alles andere als begeistert, begab Marc sich selbst auf die Suche nach dem Pleitegeier, konnte diesen aber auch nicht finden. Während seiner Suchaktion passierte es Roman, dass dieser beim Warten auf die beiden anderen von einem Passanten im Vorbeilaufen von oben nach unten mit einem Blick abgescannt wurde. Dieser schmaläugige Herr blieb stehen, erhob seine Hand und gab Roman ein Daumen hoch mit einem "Not bad"-Gesichtsausdruck. Da Roman sowas gewohnt ist, war dies für ihn nichts Neues. Als Marc endlich zurückkam, ohne Miguel, konnte er diese Geschichte nicht glauben und war sauer, dass sowas merkwürdiges schon wieder ohne sein Beisein geschehen ist. Eigentlich waren beide soweit Miguels Gepäck stehen zu lassen und ohne ihn weiterzureisen, doch Fortuna hatte ihn an diesem Tag geküsst und er ließ sich endlich blicken, wir konnten endlich durchstarten! AUF NACH KYOTO, BITCHES!


Daayyuuumm Guuuurrrllll, you're so fabulous!
Durch die exzellente Wegbeschreibung von Matsumasa inklusive Plan mit welcher Bahn wir zu welcher Station kommen, war ein Scheitern dieser Expedition ausgeschlossen. Mag man denken. Zu eurem Bedauern ist aber tatsächlich nichts schiefgelaufen, wir nahmen ganz normal die Regionalbahn und fuhren damit ca. 1,5h nach Kyoto City. Während der Fahrt konnten wir sowohl die äußeren Stadtschichten beim Vorbeifahren betrachten, bei denen die urbane Population mal zu-, mal abnahm. Schöner jedoch fanden wir die vorbeiziehenden Landschaften, weil sie zu dem ganzen Beton und den Stromkabeln der Innenstadt einen wunderschönen Kontrast bildeten. Roman fühlte sich sofort in eine dieser Szenerien aus den etlichen Animes, die er vor dem Trip geschaut hatte, versetzt, ein Gefühl, welches in seinem Leben scheinbar nicht oft so intensiv zu Tage tritt. Marc hatte es während der Fahrt auf fünf kleine süße Mädels abgesehen, alle ca. zwischen 3-5 Jahren alt. Sie lachten und tuschelten über uns, das war offensichtlich, das taten sie aber in so einer unschuldigen Art und Weise, dass einem einfach das Herz wegschmolz. Immer wenn Marc versuchte heimlich einen Pantsu-Shot zu machen, merkten die kleinen Biester das, schalteten sofort auf seriös und lachten nicht mehr. Packte er die Kamera weg, ging es da weiter, wo sie aufhörten. So waren wir auch schneller als geschätzt in der alten Kaiserstadt angekommen und mussten schweren Herzens Abschied von den kleinen Mädchen nehmen. Wir hatten nicht mal ihre Nummern bekommen.

"We gon' fuck up this city, I tell you what."


"Hat jemand Selfie gesagt???"
Nach dem Verlassen der Zugstation galt es erstmal entlang der Hauptstraße zu unserem Hotel zu gelangen, welches Matsu für uns ausgesucht hatte. Bis wir dort waren, hatten wir wahrscheinlich 20 Minuten Laufweg mit unseren Taschen. War aber kein Problem, da wir Energie aus den Seelen der Einheimischen saugten. Ganz interessant fanden wir die Frauen in den japanisch-traditionellen "Yukatas", vor allem Roman fand Gefallen an dieser zeitlosen Mode und starrte Damen in solchen Gewändern länger hinterher, als allen anderen Weibern.


"SURPRISE MADAFAKKA!"

Langsam war es zunehmend eindeutig, wie japanophil dieser Zuchtrusse eigentlich ist. Endlich waren wir da, an unserem Zielort: Mitsui Garden Hotel Shinjo. Wer jetzt denkt, das ist sone günstige Übernachtungsmöglichkeit im Stile einer Jugendherberge, der hat nicht genug nachgedacht. Unser Staunen beim Betreten des Hotels wurde durch die Rechnung nochmals verstärkt, denn Matsu hat dort keinen kleinen Geldbetrag liegen lassen, damit wir 3 schöne Tage in Kyoto verbringen konnten, daher möchten wir seine Großzügigkeit und Freundlichkeit an dieser Stelle honorieren: Hontou ni arigatou gozaimashuta Matsu-san! Die superfreundliche Bedienung gab uns unsere Zimmerkarten, woraufhin wir uns in den Fahrstuhl begaben, der uns binnen 5 Sekunden in den 8. Stock katapultierte.

Hinter Gittern: Der Japsenknast
Unser Zimmer befand sich direkt auf der rechten Seite des Aufzugausgangs, was sehr praktisch war, da dies unsere Laufwege um ein gutes Stück kürzer gestaltete, als die der anderen Gäste. Das erste, was wir in unserem mit 3 Betten ausgestattetem Raum herausfinden mussten, war nicht etwa die Funktionsweise des Fernsehers, nein, es war der beschissene Lichtschalter. Nirgends gab es Knöpfe für Licht, auch Akustikschalter waren nicht angebracht. Nur durch Zufall bemerkte einer von uns (aber nicht Miguel, er doch nicht lol), dass man die Zimmerkarte in den an der Wand angebrachten Schlitz einstecken muss, um Licht zu erzeugen. Das erste was wir im Zimmer machten war uns in die Betten zu schmeißen, nen Plan für den weiteren Verlauf des Tages ausarbeiten. Für Miguel galt es seine verschollene PIN für die Kreditkarte wiederzubeschaffen, dies regelte er mit einem Telefonat mit seiner Kreditkartengesellschaft. Auch wenn er es vielleicht selbst nicht war, uns kam der gute sehr nervös vor, beim Telefonieren mit dem deutschen Support von Amazon. Aus Nervosität sich zu versprechen brachte er uns dazu im Hintergrund heftig zu lachen, die Frau am Telefon muss es einfach gehört haben und wir hofften nur, dass sie irgendwann die Schnauze voll hat und auflegt, im Glauben dies sei ein Scherzanruf. "Wollen Sie mich eigentlich verarschen?" erhofften wir uns von ihr über das ganze Telefonat. Prompt hätte Miguel seine Chance auf die Nutzung seines Geldes verspielt und müsste weiterhin mittellos in einem der teuersten Länder der Welt umherirren.

Währenddessen suchte Marc im Internet nach möglichen Kontakten in Tokyo, denn spätestens jetzt wird auch dir, dem Leser klar, dass Leute in Japan kennen zu lernen sehr schwer ist, sofern man als Tourist keine japanischen Sprachbasics draufhat. All die Menschen, die wir trafen, waren glückliche Zufälle oder göttliche Fügung, jedenfalls ist sowas im Normalfall alles andere als leicht. Und da wir nicht nur rumlaufen und gaffen wollten wie deutsche Standardurlauber dritter Klasse, zwang uns diese Furcht dazu, Maßnahmen zu ergreifen. In einem Japanforum schrieb Marc eine Annonce über uns, unsere Interessen, wie lange wir in Japan sind und was wir machen werden. Wir waren auf das Ergebnis gespannt. Nebenher informierte sich Marc sich über die Zustände in Tokyo, damit wir, sobald wir dort sind, auf alles gefasst sein konnten. Wir alle machten ein verdutztes Gesicht, als wir in einigen deutschen Online-Schundblättern gelesen hatten, dass Tokyo respektive dessen Umgebung vor 1-2 Tagen Probleme mit radioaktivem Abfall meldeten, weil irgendwo irgendwie ein Leck entdeckt wurde. Perfekt. Obwohl wir normalerweise auf so etwas scheißen, breitete sich doch Sorge in unseren Köpfen aus, schließlich war in unserem Reiseplan ein Strandbesuch und der Konsum von diversen Fischgerichten fest eingebettet. Roman zappte parallel dazu durch verschiedene Sender im japanischen Fernsehen, blieb aber immer wieder bei den Animes hängen. Miguel hingegen verschwand klammheimlich in der automatisierten Toilette und vollführte sein Geschäft, ohne das einer von uns dies bemerkt hat. Selbst als er wieder raus war, hatte er kein Laut von sich gegeben, hat kein Wort darüber verloren, wie es ihm ergangen ist, als er gerade eben das erste Mal warmes Wasser in seinen Anus gepumpt bekommen hat...es war für ihn einfach etwas so selbstverständliches, dass er es für nicht nötig hielt uns zu berichten, ob er sich nicht wenigstens ein wenig schwul vorkam, als ihm die Puperze befeuchtet wurde. Daraus schlossen wir: Miguel muss bereits Analerfahrungen gesammelt haben und das nicht wenig. Marc ließ sich solch eine Farce natürlich nicht gefallen und entschied dieses hochmoderne Stück WC selbst an seinem eigenen Leibe zu testen. Ab da hörte man Marc nur noch lachen, man hörte förmlich die neugeborene Begeisterung in seinem Lachanfall. Mit einem riesigen Grinsen kam er raus und forderte Roman direkt auf, ebenfalls diese einzigartige Erfahrung zu machen. Dieser jedoch, durch und durch männlich bis ins letzte Chromosom, weigerte sich vehement dagegen, sodass Marc anfangen musste Roman zu intervenieren, ja fast zu bekehren, mit der Aufforderung seiner Bitte zu folgen.

Abends, als die Sonne Feierabend machte, rauften wir 3 uns zusammen und verließen das Hotel um wenigstens den Abend interessant zu gestalten, denn das spannendste an diesem Tag bisher war gerade mal die Spritzer-Toilette. Wir stolzierten durch die Streets und suchten nach einer netten Lokalität mit "eigo menyu" (Speisekarte auf Englisch). Nach dem Abklappern einiger Straßen fanden wir endlich etwas, was unserer Vorstellung vage entsprechen könnte: ein kleines unscheinbares Restaurant, welches sich im zweiten Stock eines Hauses befand. 


Der Raum in dem gespeist wurde war schlicht, jedoch interessant. Er hatte einen Tresen und ein paar niedrige Tische, die Sorte von Tisch, an dem man im Schneidersitz hockt. Hatte von uns bisher keiner so erlebt, daher bot sich eine passende Möglichkeit auf traditionelle japanische Art zu Abend zu essen. Die Spezialität des Hauses war Frittiertes am Spieß, vom Tintenfisch über Spargel bis zur Ginkgofrucht. Obwohl das Lokal bei Nacht unscheinbar wirkte, war dennoch kein einziger Tisch frei, was positiv auffiel und Hoffnung auf schmackhaftes Essen schürte. Die sympatische und vor allem geduldige Bedienung brachte uns eine handschriftlich ins Englische übersetzte Speisekarte, auf der wir dann unsere Spieße bestellen konnten. Geduldig, weil wir einen guten Happen ihrer Zeit in Anspruch nahmen, uns alles zu erklären bzw. was wir da überhaupt essen würden. Sie tat ihr Bestes mit den 3 bis 4 englischen Wörtern, die sie konnte. Wir bestellten also von fast jeder Sorte jeweils drei Spieße, die uns nach und nach gebracht wurden und dazu natürlich Sake. Die Spieße dippten wir dann in diverse Soßen und erfreuten uns über bis dahin unbekannte Geschmacksvariationen. Gesättigt verließen wir dieses Restaurant, dessen Name uns leider entfallen ist, wobei ich sogar noch zwei Schritte weiter gehe und sage: wir haben den Namen nie gekannt. Der Abend war noch nicht ganz gealtert, also suchten wir auf dem Rückweg noch ein stillen Örtchen, um die Restenergie für diesen Tag zu verbrauchen.

Anyone hungry for some sea hedghehog? Really....WTF JAPAN?!?!
Sie sahen die Ankunft zweier Halbgötter vorher und widmeten somit Marc und Roman dieses "Gemälde"
Die Bongo-Mongos

Da bot sich eine quasi Spielothek ganz gut an. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie laut es in solch einem Pachinko-Geschäft ist. Wenn man daran vorbeiläuft, ist der Lautstärkepegel vernehmbar, jedoch noch im Rahmen des Erträglichen. Sobald aber die Tür aufgeht während man sich in unmittelbarer Nähe befindet, meint man, neben einem startet gerade eine verdammte Boeing 737. All die Slotmachines und Glücksspielautomaten ließen uns unbeeindruckt, wir gingen sofort in die oberste Etage, die von den ganze Arcade-Automaten beheimatet war. Ein Spielautomat fiel uns besonders ins Auge. Es war einer, an dem bis zu zwei Spieler mit oder gegeneinander zu rhythmischer Musik einen Highscore "ertrommeln". In der Theorie nicht so spannend wie man denkt, in der Praxis jedoch eine echte Spaßbombe, bei der man Dutzende 100-Yen Münzen verballern kann. Die Duellanten in diesem musikalisch epischen Battle waren Marc und Miguel, Roman filmte das ganze Geschehen. Nachdem der Sieger feststand, überraschenderweise Miguel, fanden unsere Geister endlich ihre Zufriedenheit und wir machten uns auf den Weg nach Hause. Daheim checkten wir unsere Annonce und durften erstaunt feststellen, dass es doch eine kleine Resonanz gab, somit potenzielle Kontakte, mit denen man in den Folgewochen lustige Tage verbringen könnte. Mit der Sicherheit, dass wir der größten Metropole der Welt nicht mehr komplett alleine gegenüberstehen müssen, gingen wir erleichtert in die Landen der Träume.

Minna-san jya nee!