Samstag, 14. März 2015

Tag 3: First time anal in Kyoto!

Der dritte Tag in diesem Land, das uns mittlerweile mit ihren Bewohner ans Herz gewachsen ist, startete nicht wesentlich anders, wie die letzten zwei: Man plant am Abend vorher alles akribisch genau, sogar das pünktliche Aufwachen, trotzdem scheitert man selbst am nächsten Morgen an den eigenen Ansprüchen. So kam es natürlich, dass wir länger schliefen, als wir wollten, viel viel länger. Bis ca. 13 Uhr um genau zu sein. Wir schindeten mit dem Aufstehkram wie Duschen etc. am Morgen möglichst wenig Zeit, denn jede verstrichene Stunde in Osaka bedeutete jeweils zwei Stunden weniger in Kyoto, der Zeitverschiebung wegen.


Izz da ROCK!
Gegen 15 Uhr waren wir auch endlich bei einer Citibank-Filiale, damit Miguel seine Euros eintauschen und wir endlich unser eigenes Geld abheben durften. Zunächst kamen wir mit in die Bank rein, holten uns das Geld, während Miguel einige Scheine ausfüllen musste, damit der Geldumtausch seine Validität hat. Man bat ihn kurz mit ins Hinterzimmer zu kommen für den restlichen Papierkram und so verschwand er aus unserem Sichtfeld. Mittlerweile war die Bank dabei zu schließen, wir wurden rausgebeten, die automatischen Schiebetüren gingen für heute gänzlich zu. Nach 10 Minuten fragten wir uns, ob wir Miguel endlich das letzte mal gesehen hatten. Zuerst entschied sich Roman nach dem Rechten zu schauen, fand Miguel aber nicht. Von dessen Suchergebnissen alles andere als begeistert, begab Marc sich selbst auf die Suche nach dem Pleitegeier, konnte diesen aber auch nicht finden. Während seiner Suchaktion passierte es Roman, dass dieser beim Warten auf die beiden anderen von einem Passanten im Vorbeilaufen von oben nach unten mit einem Blick abgescannt wurde. Dieser schmaläugige Herr blieb stehen, erhob seine Hand und gab Roman ein Daumen hoch mit einem "Not bad"-Gesichtsausdruck. Da Roman sowas gewohnt ist, war dies für ihn nichts Neues. Als Marc endlich zurückkam, ohne Miguel, konnte er diese Geschichte nicht glauben und war sauer, dass sowas merkwürdiges schon wieder ohne sein Beisein geschehen ist. Eigentlich waren beide soweit Miguels Gepäck stehen zu lassen und ohne ihn weiterzureisen, doch Fortuna hatte ihn an diesem Tag geküsst und er ließ sich endlich blicken, wir konnten endlich durchstarten! AUF NACH KYOTO, BITCHES!


Daayyuuumm Guuuurrrllll, you're so fabulous!
Durch die exzellente Wegbeschreibung von Matsumasa inklusive Plan mit welcher Bahn wir zu welcher Station kommen, war ein Scheitern dieser Expedition ausgeschlossen. Mag man denken. Zu eurem Bedauern ist aber tatsächlich nichts schiefgelaufen, wir nahmen ganz normal die Regionalbahn und fuhren damit ca. 1,5h nach Kyoto City. Während der Fahrt konnten wir sowohl die äußeren Stadtschichten beim Vorbeifahren betrachten, bei denen die urbane Population mal zu-, mal abnahm. Schöner jedoch fanden wir die vorbeiziehenden Landschaften, weil sie zu dem ganzen Beton und den Stromkabeln der Innenstadt einen wunderschönen Kontrast bildeten. Roman fühlte sich sofort in eine dieser Szenerien aus den etlichen Animes, die er vor dem Trip geschaut hatte, versetzt, ein Gefühl, welches in seinem Leben scheinbar nicht oft so intensiv zu Tage tritt. Marc hatte es während der Fahrt auf fünf kleine süße Mädels abgesehen, alle ca. zwischen 3-5 Jahren alt. Sie lachten und tuschelten über uns, das war offensichtlich, das taten sie aber in so einer unschuldigen Art und Weise, dass einem einfach das Herz wegschmolz. Immer wenn Marc versuchte heimlich einen Pantsu-Shot zu machen, merkten die kleinen Biester das, schalteten sofort auf seriös und lachten nicht mehr. Packte er die Kamera weg, ging es da weiter, wo sie aufhörten. So waren wir auch schneller als geschätzt in der alten Kaiserstadt angekommen und mussten schweren Herzens Abschied von den kleinen Mädchen nehmen. Wir hatten nicht mal ihre Nummern bekommen.

"We gon' fuck up this city, I tell you what."


"Hat jemand Selfie gesagt???"
Nach dem Verlassen der Zugstation galt es erstmal entlang der Hauptstraße zu unserem Hotel zu gelangen, welches Matsu für uns ausgesucht hatte. Bis wir dort waren, hatten wir wahrscheinlich 20 Minuten Laufweg mit unseren Taschen. War aber kein Problem, da wir Energie aus den Seelen der Einheimischen saugten. Ganz interessant fanden wir die Frauen in den japanisch-traditionellen "Yukatas", vor allem Roman fand Gefallen an dieser zeitlosen Mode und starrte Damen in solchen Gewändern länger hinterher, als allen anderen Weibern.


"SURPRISE MADAFAKKA!"

Langsam war es zunehmend eindeutig, wie japanophil dieser Zuchtrusse eigentlich ist. Endlich waren wir da, an unserem Zielort: Mitsui Garden Hotel Shinjo. Wer jetzt denkt, das ist sone günstige Übernachtungsmöglichkeit im Stile einer Jugendherberge, der hat nicht genug nachgedacht. Unser Staunen beim Betreten des Hotels wurde durch die Rechnung nochmals verstärkt, denn Matsu hat dort keinen kleinen Geldbetrag liegen lassen, damit wir 3 schöne Tage in Kyoto verbringen konnten, daher möchten wir seine Großzügigkeit und Freundlichkeit an dieser Stelle honorieren: Hontou ni arigatou gozaimashuta Matsu-san! Die superfreundliche Bedienung gab uns unsere Zimmerkarten, woraufhin wir uns in den Fahrstuhl begaben, der uns binnen 5 Sekunden in den 8. Stock katapultierte.

Hinter Gittern: Der Japsenknast
Unser Zimmer befand sich direkt auf der rechten Seite des Aufzugausgangs, was sehr praktisch war, da dies unsere Laufwege um ein gutes Stück kürzer gestaltete, als die der anderen Gäste. Das erste, was wir in unserem mit 3 Betten ausgestattetem Raum herausfinden mussten, war nicht etwa die Funktionsweise des Fernsehers, nein, es war der beschissene Lichtschalter. Nirgends gab es Knöpfe für Licht, auch Akustikschalter waren nicht angebracht. Nur durch Zufall bemerkte einer von uns (aber nicht Miguel, er doch nicht lol), dass man die Zimmerkarte in den an der Wand angebrachten Schlitz einstecken muss, um Licht zu erzeugen. Das erste was wir im Zimmer machten war uns in die Betten zu schmeißen, nen Plan für den weiteren Verlauf des Tages ausarbeiten. Für Miguel galt es seine verschollene PIN für die Kreditkarte wiederzubeschaffen, dies regelte er mit einem Telefonat mit seiner Kreditkartengesellschaft. Auch wenn er es vielleicht selbst nicht war, uns kam der gute sehr nervös vor, beim Telefonieren mit dem deutschen Support von Amazon. Aus Nervosität sich zu versprechen brachte er uns dazu im Hintergrund heftig zu lachen, die Frau am Telefon muss es einfach gehört haben und wir hofften nur, dass sie irgendwann die Schnauze voll hat und auflegt, im Glauben dies sei ein Scherzanruf. "Wollen Sie mich eigentlich verarschen?" erhofften wir uns von ihr über das ganze Telefonat. Prompt hätte Miguel seine Chance auf die Nutzung seines Geldes verspielt und müsste weiterhin mittellos in einem der teuersten Länder der Welt umherirren.

Währenddessen suchte Marc im Internet nach möglichen Kontakten in Tokyo, denn spätestens jetzt wird auch dir, dem Leser klar, dass Leute in Japan kennen zu lernen sehr schwer ist, sofern man als Tourist keine japanischen Sprachbasics draufhat. All die Menschen, die wir trafen, waren glückliche Zufälle oder göttliche Fügung, jedenfalls ist sowas im Normalfall alles andere als leicht. Und da wir nicht nur rumlaufen und gaffen wollten wie deutsche Standardurlauber dritter Klasse, zwang uns diese Furcht dazu, Maßnahmen zu ergreifen. In einem Japanforum schrieb Marc eine Annonce über uns, unsere Interessen, wie lange wir in Japan sind und was wir machen werden. Wir waren auf das Ergebnis gespannt. Nebenher informierte sich Marc sich über die Zustände in Tokyo, damit wir, sobald wir dort sind, auf alles gefasst sein konnten. Wir alle machten ein verdutztes Gesicht, als wir in einigen deutschen Online-Schundblättern gelesen hatten, dass Tokyo respektive dessen Umgebung vor 1-2 Tagen Probleme mit radioaktivem Abfall meldeten, weil irgendwo irgendwie ein Leck entdeckt wurde. Perfekt. Obwohl wir normalerweise auf so etwas scheißen, breitete sich doch Sorge in unseren Köpfen aus, schließlich war in unserem Reiseplan ein Strandbesuch und der Konsum von diversen Fischgerichten fest eingebettet. Roman zappte parallel dazu durch verschiedene Sender im japanischen Fernsehen, blieb aber immer wieder bei den Animes hängen. Miguel hingegen verschwand klammheimlich in der automatisierten Toilette und vollführte sein Geschäft, ohne das einer von uns dies bemerkt hat. Selbst als er wieder raus war, hatte er kein Laut von sich gegeben, hat kein Wort darüber verloren, wie es ihm ergangen ist, als er gerade eben das erste Mal warmes Wasser in seinen Anus gepumpt bekommen hat...es war für ihn einfach etwas so selbstverständliches, dass er es für nicht nötig hielt uns zu berichten, ob er sich nicht wenigstens ein wenig schwul vorkam, als ihm die Puperze befeuchtet wurde. Daraus schlossen wir: Miguel muss bereits Analerfahrungen gesammelt haben und das nicht wenig. Marc ließ sich solch eine Farce natürlich nicht gefallen und entschied dieses hochmoderne Stück WC selbst an seinem eigenen Leibe zu testen. Ab da hörte man Marc nur noch lachen, man hörte förmlich die neugeborene Begeisterung in seinem Lachanfall. Mit einem riesigen Grinsen kam er raus und forderte Roman direkt auf, ebenfalls diese einzigartige Erfahrung zu machen. Dieser jedoch, durch und durch männlich bis ins letzte Chromosom, weigerte sich vehement dagegen, sodass Marc anfangen musste Roman zu intervenieren, ja fast zu bekehren, mit der Aufforderung seiner Bitte zu folgen.

Abends, als die Sonne Feierabend machte, rauften wir 3 uns zusammen und verließen das Hotel um wenigstens den Abend interessant zu gestalten, denn das spannendste an diesem Tag bisher war gerade mal die Spritzer-Toilette. Wir stolzierten durch die Streets und suchten nach einer netten Lokalität mit "eigo menyu" (Speisekarte auf Englisch). Nach dem Abklappern einiger Straßen fanden wir endlich etwas, was unserer Vorstellung vage entsprechen könnte: ein kleines unscheinbares Restaurant, welches sich im zweiten Stock eines Hauses befand. 


Der Raum in dem gespeist wurde war schlicht, jedoch interessant. Er hatte einen Tresen und ein paar niedrige Tische, die Sorte von Tisch, an dem man im Schneidersitz hockt. Hatte von uns bisher keiner so erlebt, daher bot sich eine passende Möglichkeit auf traditionelle japanische Art zu Abend zu essen. Die Spezialität des Hauses war Frittiertes am Spieß, vom Tintenfisch über Spargel bis zur Ginkgofrucht. Obwohl das Lokal bei Nacht unscheinbar wirkte, war dennoch kein einziger Tisch frei, was positiv auffiel und Hoffnung auf schmackhaftes Essen schürte. Die sympatische und vor allem geduldige Bedienung brachte uns eine handschriftlich ins Englische übersetzte Speisekarte, auf der wir dann unsere Spieße bestellen konnten. Geduldig, weil wir einen guten Happen ihrer Zeit in Anspruch nahmen, uns alles zu erklären bzw. was wir da überhaupt essen würden. Sie tat ihr Bestes mit den 3 bis 4 englischen Wörtern, die sie konnte. Wir bestellten also von fast jeder Sorte jeweils drei Spieße, die uns nach und nach gebracht wurden und dazu natürlich Sake. Die Spieße dippten wir dann in diverse Soßen und erfreuten uns über bis dahin unbekannte Geschmacksvariationen. Gesättigt verließen wir dieses Restaurant, dessen Name uns leider entfallen ist, wobei ich sogar noch zwei Schritte weiter gehe und sage: wir haben den Namen nie gekannt. Der Abend war noch nicht ganz gealtert, also suchten wir auf dem Rückweg noch ein stillen Örtchen, um die Restenergie für diesen Tag zu verbrauchen.

Anyone hungry for some sea hedghehog? Really....WTF JAPAN?!?!
Sie sahen die Ankunft zweier Halbgötter vorher und widmeten somit Marc und Roman dieses "Gemälde"
Die Bongo-Mongos

Da bot sich eine quasi Spielothek ganz gut an. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie laut es in solch einem Pachinko-Geschäft ist. Wenn man daran vorbeiläuft, ist der Lautstärkepegel vernehmbar, jedoch noch im Rahmen des Erträglichen. Sobald aber die Tür aufgeht während man sich in unmittelbarer Nähe befindet, meint man, neben einem startet gerade eine verdammte Boeing 737. All die Slotmachines und Glücksspielautomaten ließen uns unbeeindruckt, wir gingen sofort in die oberste Etage, die von den ganze Arcade-Automaten beheimatet war. Ein Spielautomat fiel uns besonders ins Auge. Es war einer, an dem bis zu zwei Spieler mit oder gegeneinander zu rhythmischer Musik einen Highscore "ertrommeln". In der Theorie nicht so spannend wie man denkt, in der Praxis jedoch eine echte Spaßbombe, bei der man Dutzende 100-Yen Münzen verballern kann. Die Duellanten in diesem musikalisch epischen Battle waren Marc und Miguel, Roman filmte das ganze Geschehen. Nachdem der Sieger feststand, überraschenderweise Miguel, fanden unsere Geister endlich ihre Zufriedenheit und wir machten uns auf den Weg nach Hause. Daheim checkten wir unsere Annonce und durften erstaunt feststellen, dass es doch eine kleine Resonanz gab, somit potenzielle Kontakte, mit denen man in den Folgewochen lustige Tage verbringen könnte. Mit der Sicherheit, dass wir der größten Metropole der Welt nicht mehr komplett alleine gegenüberstehen müssen, gingen wir erleichtert in die Landen der Träume.

Minna-san jya nee!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen