Samstag, 28. März 2015

Tag 4: Draw me like one of your japanese whores!

ÖÖÖhhhhöööhhhöööööhhhööööhhhhhh.....wenn der Hahn 3 mal kräht, ist es Zeit aufzustehen...das zumindest dachte sich Romans eigensinniger Verstand in seinem Kopf am nächsten Morgen. Es gab in Wirklichkeit keinen Hahn. Und Roman hat keinen Verstand. Marc wurde durch ein Geräusch geweckt, welches sich als "Shako Jirei" des japanischen Frühstücksfernsehens entpuppte. Nach einem kurzem Blick aufs Handy drohten ihm seine Halsschlagadern zu platzen. Er konnte nicht fassen, dass Roman nach nur 10 Stunden Schlaf in den letzten drei Tagen nun trotzdem um 8 Uhr in der Früh munter und fröhlich fern sah. "DU VERDAMMTER HURENSOHN, MACH DIE KISTE AUS UND LEG DICH SCHLAFEN, SONST SCHLAG ICH DICH TOT!" nörgelte Marc. Romans typisch dreiste Reaktion darauf war natürlich nur: "Waaas??? Ich kann nicht mehr schlafen und mir ist langweilig." Roman darauf tat, was er immer tut und zwar nur das, was sich in seinem Kopf abspielt und nicht das, was andere ihm sagen a.k.a. er machte das Programm etwas leiser, sodass Marc wenigstens halbschlafen konnte. Nachdem der Zuchtrusse allerdings feststellte, dass er sowas von gar nichts versteht, entschied er sich dazu, einmal produktiv zu sein und Orte rauszusuchen, die wir am nächsten Tag besuchen konnten inklusive Busverbindungen etc. Als der Hahn das vierte Mal krähte, wurden auch Marc und Miguel wach. Nachdem der Einkauf im FamilyMart für unterwegs getätigt worden war, gingen wir in Holly's Cafe, von dem wir glaubten, es sähe von innen aus wie ein amerikanisches Diner mit zugehörigem "American Breakfast, Motherfucker!". Doch die Enttäuschung wartete bereits an der nächsten Ecke auf uns: diese Cafekette sah absolut nicht amerikanisch eingerichtet aus, die Bedienung sprach natürlich kein Englisch und es gab Pancakes mit Ahornsirup....hmmk. Dabei weiß jeder, dass diese Sachen zum Frühstücken typisch Italienisch sind. "Gia's Café" hätte besser gepasst. Leider hatten wir keine Zeit mehr uns groß aufzuregen, geschweige denn Lust dazu und frühstückten halt dort. Danach ging es direkt zu Fuß durch das schöne Stadtviertel namens Gion mit seiner Tempelanlage, die unser Tagesziel für heute darstellte, vor allem 1-2 Tempel, die wir von Matsu höchstpersönlich empfohlen bekommen haben. So liefen wir los. Schon der Eingang der Tempelanlage wusste mit seinem Charme zu gefallen dank all den rouangenen Toren.

Der Eingang der Yasaka Tempelanlage und hinter uns das sehenswerte Viertel Gion
So liefen wir durch die Gärten an unzähligen Tempeln vorbei und kamen aus dem Staunen nicht heraus, weil die Architektur sehr stark an die Europäische erinnert, nur umgekehrt. Irgendwann kamen wir auch an einen Pfad der leicht bergauf ging und bespickt war mit Fallen in Form von Geschäften, die allerlei Souvenirs und "Presentos" anboten, die Variationsspanne reichte von Gewürzläden bis zu Menschenhandel.

Shopping-Mopping, wuzz luzz!
Bei God Of War endete es nicht. Er wurde restauriert und nach Japan verfrachtet, der Koloss von Rhodos!
35 Grad und Sonne - Vor lauter guter Laune verschenkten wir Schweißperlen! äähähähääää
Dieser Gestaltenwandler erntete wie schon anderorts auf der Welt skeptische Blicke - der Geist der vorletzten Weihnacht.




























Inmitten dieses Chaos von Ingwer und kleinwüchsigen gelben Sklaven fiel uns ein kleines unscheinbares Geschäft auf, in das wir hineinstolperten. Es war ein Karikaturenladen, geschmückt mit selbstgezeichneten Bildern von Stars und Sternchen sowie Osman-Verbrauchern wie uns. Die Zeichnungen waren lustig, facettenreich und wahrhaft rüpelhaftig, doch bei einem Preis von 3500-5000 Yen (25-35 Euro) blieben uns selbst als erfahrenen Moneten-Schmelzer die Luft im Atem stehen. Wir teilten dem Bildhauer mit, dass wir es uns überlegen  und eventuell später wiederkehren würden, da wir noch andere Geschäfte vor Ladenschluss besuchen wollten, die unser Geld wollten. Sobald gelangten wir zu einem weiteren von Semiten erdachten Geschäftsmodell: Der Wunschhöhle. Vor Eintritt war es obligatorisch, die Schuhe mit traditionellen japanischen Pantoffeln zu ersetzen und einmal an den Schweißfüßen des Vordermannes zu riechen. Miguels Füße glichen dem Gestank eines mexikanischen Massengrabes. Hinab in feucht-dunkle Tiefen! Der Gang durch die Wunschhöhle der Tugend erwies sich als äußerst dunkel und feucht. Außer einem Geländer leitete uns nur der Gestank von Miguels Füßen durch das unterirdische Labyrinth. Mit Roman als letztem Mann bot sich die Konstellation der Touristenkette gut dazu an, ihn glauben zu lassen, wir wären nicht allein. Mit einem geschickten Handgriff nach hinten touchierte Marc Roman an der hinteren unteren Rückenhälfte. Sein lauter Angstschrei ließ für einige Sekunden sogar den umgarnenden Schweißgeruch von Miguel in Vergessenheit geraten. Gegen Ende der Tour erreichten wir endlich den angepriesenen, von oben beleuchteten Stein der Gelben. Marc dachte, je schneller der Stein sich dreht, desto schneller geht sein Wunsch in Erfüllung, deshalb drehte er was das Zeug hält. Ein ungeduldiger Mensch, wie sich später bewahrheiten wird. Raus aus der Höhle mussten wir uns erstmal an die Helligkeit und die trockene Luft gewöhnen.

Item found: Roman ist nur 45 Erfahrungspunkte vom nächsten Level Up entfernt
Anstatt ein weiteres Mal an den Schweißfüßen von Miguel riechen zu müssen, entschieden wir uns für die obligatorische "Spende" von 100 Yen. Unsere Reise führte uns zu einer weiteren ausgedachten Geldketzerei. Für einen Marsch über einen von hölzernen Stelzen getragenen Tempel, der von Bonus-Challenges wie Zündkerzenstecken und versteckten Items wie dem Buddha-Nigger nur so stolzte, galt es ein weiteres Mal tief in die Taschen zu greifen. Für einen atemberaubenden View über die ganze Anlage und die City war es aber diesmal die paar Groschen wirklich wert!


Nach dem Überqueren des hölzernen Tempels ging es auf einem gepflastertem Weg weiter. Doch plötzlich hörte unser Atem auf zu laufen-ebenso wir selbst. Vier möchte-gern-Geishas standen einfach nur am Wegesrand als ob sie den D. wollten. Und selbst wenn wir das uns nur einbildeten, ein Foto wäre dennoch angebracht. Leider schrumpften unsere Schwänze und Eier dermaßen, dass unser Gehirn uns mitteilte, es wäre unmöglich die vier jungen Damen direkt danach zu fragen. Glücklicherweise kamen diese auf uns zu und bettelten  uns an mit ihnen einen Schnappschuss zu machen. Pic's or it didn't happen? See below motherfuckers!

Sieht man es ihnen nicht an?! Waschfalsche Geishas
Second Time Anal in Kyoto
Miguel, ein Roman ähnelnder Mensch und Marc
Der hölzerne-stelzernde Kodai-ji Tempel aus der Ferne
An obigen Tempel (oder was auch immer dieser japanisch-traditioneller Turm darstellen soll) fiel Roman eine japanische Touristin auf, die Selfies mit ihrem Kuscheltier machte, genauer gesagt VON ihrem Kuscheltier, also OHNE ihrer Selbst im Bild....es war strange sowas zu sehen, eben einer dieser äußerst seltenen Momente, wo man sich einfach nichts denken kann, gar nichts, nicht Negatives, nichts Positives, einfach nur "WAAASSS?". Komischerweise passiert sowas immer nur im Ausland, weil man Sachen sieht, die einfach nicht alltäglich für einen in der Heimat sind. Scheinbar gibt es sogar für sowas Trends, denen so manche Leute folgen. Nach den Posings vor dem Turm führte uns unser Weg wieder in die Straße mit den ganzen Souvenirgeschäften, in die wir diesmal einen Abstecher machten, zumindest in einige davon. Zum einen gab es diesen Gewürzladen, der solch interessante und vor allem wohlschmeckende Gewürze/-produkte hatte, dass Marc und Miguel sich trotz der fairen Bepreisung nicht lumpen ließen und davon gleich einige einkauften. Eines der Gewürzpäckchen ging sogar auf Kosten des Hauses, denn selbst der an exotische Düfte gewohnte Ladenchef konnte diesen höllischen Gestank, der aus Miguels Richtung kam, nicht ertragen. Er machte Miguel klar, dieser solle seine Füße damit einreiben oder das Geschäft verlassen.

Da wir uns vorher informiert hatten, welche Spezialitäten Kyoto bot, suchten wir auch nach einem passenden Geschäft, dass uns "Yatsuhashi" verkaufte. Lang suchen mussten wir nicht, denn ungefähr jedes zweites Geschäft in dieser "Souvenirstraße" verkaufte Yatsuhashi. So kauften wir welche für unsere Liebsten in Übersee ein, natürlich auch für Matsumasa, denn er war der Vater der Idee, uns nach Kyoto zu schicken. Alsbald hatten wir auch schon das Karikaturgeschäft wieder zu unserer Rechten, das wir vor der Tempelanlage bereits beschnuppert hatten. Alle Geizzweifel über Bord geworfen entschieden wir unser kaiserliches Antlitz porträtieren zu lassen, natürlich nicht von einem Smartphone, nein, von Hand. Und zwar von einen Gaukler, dessen Zeichenfertigkeit seines Gleichen suchte. Bevor er loslegte, musste er noch die anderen Kunden fertigzeichnen. Und so geschah es, dass wir uns hinsetzten und er loslegte mit seinen Buntstiften wie nie zuvor in seinem kümmerlichen Leben, denn er wusste, drei westeuropäische Exemplare kriegt er so nie mehr vor seine schmalen Äuglein. Zudem waren nach der ganzen Wartezeit mittlerweile Voyeure in den Laden gestürmt, die sich dieses Spektakel mit ansehen wollten. Gut, es waren wohl überwiegend Hausfrauen, wohlgemerkt attraktive Hausfrauen, also drückten wir beide Augen zu und ließen sie ihrer immensen Neugier nachgehen. Während der Zeichner sich vollkommen seinem Werke dedizierte, nutzten wir die Möglichkeit uns mit den Zuschauern zu unterhalten und das Evangelium im Land der Buddhisten zu predigen. Also quatschen wir ein wenig mit den Zuschauern um etwas lockerer zu werden, es sollte ja kein Gemälde werden. Immer wieder erhellten Oh's und Ah's den sonst wortkargen Raum, "very handsome" hieß es sogar einmal. Allerdings schürte gerade das unsere eigene Neugier nur noch mehr, sodass ein weiteres geduldiges Warten kaum erträglich schien. Zu unserem Glück war der Zeichner fertig geworden und als das Kunstwerk das Licht der Welt erblickte, brachen wir 3 in Gelächter aus. Jedoch ausnahmsweise mal nicht aus Spott, sondern weil die Karikatur durch und durch gelungen ist und wir uns damit wirklich auf surreale Art und Weise identifizieren konnten. Wir bedankten uns beim Zeichner herzlich, entlohnten großzügig seine Arbeit und zogen von dannen.




Es war Zeit für den Heimweg. Schon kurz vor dem Wiederverlassen Matsus einzigartigem Besichtigungstipps stießen wir noch auf ein kleines Schmankerl, dass besonders Marc als Gitarristen den späten Nachmittag versüßen sollte: Aki Miyoshi. Aki war ein Straßenmusiker, der sein Lager Zwischen all den Tempeln aufgeschlagen hatte. Mit einer Akustikgitarre und zahlreichen Anschlag- und Zupftechniken bewaffnet, zog er uns in den Bann. Wir gafften mit offenen Mündern und lauschten mit aufmerksamen Ohren, was dieses Genie mit seinen geschmeidigen Japsenfingern so anstellte. Nach Ende der Vorstellung kam Marc nicht umher dieses Wesen zu kontaktieren. Sein Stil erinnerte ihn an Sungha Young. Für diejenigen, die Sungha Young nicht kennen: Bekannt durch sein Cover des Themas "Pirates of the Carribean" wurde er schon als 5-Jähriger Gitarrist weltbekannt über YouTube. Mittlerweile gehört er durch seine Arrangements von Popsongs auf Akustik-Gitarre zu den bekanntesten Japanern weltweit. Auf die Frage, ob Aki denn Sungha Young kenne, oder je von ihm gehört hatte, kam von ihm ein "Hä, who?". Aber dann: "Ah Sungha, my friend!" Wir konnten es nicht fassen, doch der kleine Mann vor uns war tatsächlich ein enger Freund des Weltstars und hatte bereits zahlreiche Jamsessions mit ihm durchgemacht, was er uns direkt per Smartphone demonstrierte. Auch Aki war nicht wenig überrascht, dass ausgerechnet die ignoranten Deutschen an seiner Musik interessiert waren. Nicht nur für seine Musikalität, sondern auch für seine Freundlichkeit kauften wir seine CD. True Story!



Es war an der Zeit den Park zu verlassen, wir hatten alles gesehen, alles gemacht was wir machen wollten, der Abend wartete nun darauf von uns vergewaltigt zu werden. Unglaublich, aber wahr ist, dass auf unserer Tagesliste noch die Teilnahme an einer japanischen Teezeremonie stand, etwas was man während eines Japanurlaubs unbedingt machen sollte, wenn man die Möglichkeit hat. Leider failten wir bei dieser Unternehmung etwas, weil das Teehaus immer zu hatte, wenn wir gerade in der Nähe waren. Bedauerlicherweise blieb uns dieses Vorhaben auch für den Rest des Urlaubs vergönnt. Wir ließen die Köpfe jedoch nicht hängen und suchten erstmal eines dieser Kettenrestaurants, das schnell zubereitetes, Fastfood-ähnliches Essen servierte. Die Bestellung und Bezahlung läuft über einen Automaten mit Touchscreen ab, an dem man sich sein Menü zusammenstellt oder ein vorgefertigtes auswählt. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir solch eine Lokalität aufsuchten.

Wir machten uns nach dem Speisen direkt auf den Heimweg zum Hotel, es musste darüber abgestimmt werden, wo man sich den heutigen Abend mit Bier verbittert. Davor wollten wir aber unbedingt unsere Seelen von alltäglichen seelischen Lasten, die man so mit sich rumschleppt wie Tripper, befreien, indem wir in einen Onsen bzw. Onsen-ähnlichen Badebereich des Hotels zum Entspannen gingen. Diese Art zu Baden unterscheidet sich drastisch von der, die wir in Europa praktizieren. Bereits der Eingangsbereich durfte nur mit speziell dafür bereitgestellten Badeschuhen betreten werden. Außerdem gab es separate Badebereiche für Männer und Frauen, was üblich für Onsen ist. So betraten wir 3 weiße Nackedeis das Bad, schrubbten uns gegenseitig die Rücken und bestiegen das mit 40 Grad Celsius heißem Quellwasser gefülltem Becken. "Wo ist dein Penis, Alter?" fragte Marc unseren Mexikaner, "Ist er etwa auch vom Gestank deiner Füße geflüchtet?" und schüttelte den Kopf. Miguel schwieg. Immer nach ca. 10 Minuten wurde es dann allerdings auch zu heiß und da Roman zu kollabieren drohte, stiegen wir aus dem Becken und kühlten uns mit kaltem Wasser ab um dann nach einer Verschnaufpause wieder einzusteigen. Das Ganze machten wir 3 mal bis wir uns komplett ausgelaugt fühlten, Miguel aber, hatte uns schon vorher verlassen, denn so viele haarige Yaraks auf einmal waren ihm einfach zuviel des Guten. Ihr müsst wissen, Japaner halten ihren Schambereich al natura, da wird nichts am Bonsaibäumchen korrigiert oder weggeschnitten. Wir zwei verließen den Onsen und begaben uns auf unser Zimmer wo Roman wie ein Toter zu Bett fiel und einschlief, während Marc und Miguel die Liste an Bars zusammenstellten, die wir an diesem Abend noch besuchten sollten. Natürlich sollte Romans Moment der Unachtsamkeit für eine Gemeinheit genutzt werden, denn es war nur gerecht, ihn seinen Preis für all unsere geraubten Nerven vorheriger Tage zahlen zu lassen.

Da wartet er, dieser Gimp.
Wir verließen das Hotel für eine Reihe möglicher Abenteuer in dieser Nacht. In einer Gasse machte uns ein zwielichtiger Kerl ein Angebot, was man laut ihm selbst nicht abschlagen könne und zwar eine Massage mit Happy End bzw. Blowjob, das ganze Paket für 7000Yen (50 Euro). Roman, der in fremden Ländern stets zu allen außer seinen Nächsten nett sein möchte, versuchte zu erklären, dass wir kein Interesse hätten. Marc jedoch, streitsüchtig wie eh und je, wollte mit ihm ein wenig spielen. Sein Plan bestand darin, den Typen soweit runterzuhandeln bis dieser mit seiner nervigen Art und Weise aufhören und lieber in den finanziellen Ruin steuern würde, als auch nur eine einzige Dienstleistung seiner Mädchen anzubieten. Des weiteren würde Marc wissen wollen, ob es auch eine Möglichkeit gäbe, die Dienstleistung mit ihm, dem Anwerberhans und einem Oktopus in Form eines Tripletts in Anspruch zu nehmen. Aber ehe er sich versah, nahmen Roman und Miguel ihm auch schon den Wind aus den Segeln mit Einwänden wie, man habe dafür nicht die nötige Zeit und schon gar nicht das Geld. Marc gab nach und wählte dieses eine Mal den Pfad der Vernunft. Roman zwang die Gruppe sich 5 Minuten nur für ihn zu nehmen, damit er sein verdammtes Sandwich essen konnte.


Snapshot von der Schokoseite...
...und einmal der Scheisseseite.
Als echter Reggaefan, muss einem zumindest die Hälfte dieser Namen ein Begriff sein
So haben wir sie also endlich gefunden, die Reggae-Bar, die wir im Internet aus einer Handvoll "Must-been-there"-Locations fanden. Diese Bar, die ca. halb so groß wie das "Deutelmoser" in Müllheim ist, befand sich in einem Keller, welcher die entsprechende Kühle, die man in den Straßen von Kyoto vergeblich sucht, tatsächlich bot. Oder sie hatten einfach ihre Klimaanlage voll aufgedreht, ich weiß es nicht, jedenfalls war es angenehm kühl. Anfangs zumindest. Wir hockten uns also an den Bartresen, bestellten fürs Erste Bier und quatschen über dies und jenes mit dem Barkeeper, der überraschend gut Englisch für dortige Verhältnisse sprach. Im Hintergrund trällerte eigentlich gar nicht so üble Reggaemusik. Obwohl keiner von uns mit diesem Genre was anfangen kann, ließen sich die Getränke damit entspannt genießen. Zunächst relativ leer und unbesucht, kamen mit der Zeit immer mehr Leute ins "Rub-a-Dub", sodass man relativ bald fast volles Haus hatte. Hinter unserem Rücken saßen zwei Mädels, die etwas später nach uns reinkamen und sich Cocktails bestellten und uns genauestens beobachteten. Leider, warum auch immer, entschieden sich Roman und Marc sich dazu diese nicht anzusprechen, auch wenn die beiden für die Durchschnittsfrau in diesem Land gut aussahen. Vielleicht waren es die fehlenden Cojones, vielleicht weil sie uns eh nicht verstehen würden, vielleicht Miguel Füße, vielleicht die Mixtur aus allen drei Gründen, jedenfalls verblieben wir diese Nacht nur in den Träumen dieser Mädchen. Jedoch war nicht alle Hoffnung verloren an diesem Abend, hört hört! Irgendwann kamen weitere Mädels in die Bar und setzten sich direkt neben uns an den Tresen. Marc sah darin ein Zeichen eine Konversation zu starten, um einige Sachen in Erfahrung zu bringen und ein wenig mit den lokalen Menschen zu connecten, man weiß ja nie, vielleicht würden wir ja jemanden finden, der Bock hat uns Esel Kyoto und seine wunderbaren Gassen zu offenbaren. Also wagte Marc einen Versuch und fragte, was die beiden machen. Die Relevante von ihnen meinte sie arbeitet zurzeit. Schon an ihrer nicht vorhandenen Eloquenz merkten wir, Englisch war nicht ihr bestes Fach in der Schule. Fünf Minuten daraufhin erfuhr Marc auch sogleich, sie hätte Englisch studiert gehabt...studiert....STUDIERT! Marc war zeitgleich fassungslos und erstaunt, wie jemand, der die einfachste Sprache der Welt studiert hat, trotzdem auf solch einem sprachlich abgrundtief schlechtem Niveau kommunizieren versuchte. Das war's! Das war der goldene Moment diese schöne Drecksloch zu verlassen! Nur ihretwegen. Nein, eigentlich wollten wir nur rastlos bleiben diesen Abend und soviele "gaijinfreundliche" Bars abchecken wie nur möglich. Bevor wir gingen, war der Barkeeper so nett, uns einige seiner liebsten Reggaeinterpreten aufzuschreiben. Unsere Dankbarkeit zeigte sich deutlich: bis heute hat kein einziger von uns auch nur einen Finger auf die Tastatur gelegt, um wenigstens nach einem davon zu googlen.

Do your most stupid face bro, I double-dare you motherfucker!
Still fresh-lookin for more action? Check! 
Die nächste Bar sollte die "Bremer-Stadtmusikanten-Bar" sein. No shit, die haben da echt eine Bar, die so heißt! Das Specialfeature dieser Bar war eine intakte Karaokeanlage. Diese war es, die so großes Interesse in unseren kleinen Hobbysängerherzen entfachte. Als wir sie dann betraten, kam schnell Ernüchterung auf: die Bar war platzarm, es wurde geraucht, aber nicht gelüftet und die Preise für die Getränke waren unverhältnismäßig höher als bei anderen Bars. "Fuck that" sagten wir uns, und begaben uns wieder auf die Straßen des nächtlichen Kyoto. Wir gaben so schnell nicht auf und suchten weiter. Irgendwann fanden wir eine, die für Ausländer mit einem Schuss Asiatenhass geradezu prädestiniert war. Die hatten eine Leinwand mit Beamer und es lief der Tom&Jerry Cartoon. Eine Ewigkeit ist vergangen, bevor Roman es der Bedienung klar machen konnte, was wir bestellen wollten. Irgendwann kamen die beiden während ihre Flirts auf einen Zähler. Alsbald brachte man uns Bier sowie Nüsse, bei denen wir dachten, diese seien als Snack gratis. Entspannt behielten wir die Umgebung im Blick und unterhielten uns über diverse Dinge, bis es laut knallte. Marc bemerkte, da es unmittelbar in seinem peripheren Blickfeld lag, wie eine Japanerin beim Lachen zu weit mit ihrer Sushibirne nach hinten schwankte und gegen ein Holzschild knallte, es macht ein dumpfes Geräusch. Wir mussten alle lachen, Marc am härtesten. Er hoffte in seinem kleinen dreckigen Herzen, sie würde in unsere Richtung gucken und mitlachen, das tat sie allerdings nicht, auch keine von ihren Freundinnen. Sie machten keinen Hehl daraus, uns zu ignorieren. Folglich schüttelten wir drei innerlich unsere Köpfe. Und später dann auch tatsächlich, als wir feststellten, dass sie uns die Nüsse in Rechnung stellten, diese Basterde. Egal, nichts sollte an diesem Abend unsere gute Laune trüben. Wir verließen die Bar in Richtung der Nächsten, einer in der man schon eher Ausländer wie uns auffindet. Natürlich auch mit vergleichsweise günstigem Bier. ZaZa-Bar war der Name, hatte was Irish-Pub-mäßiges. Wir hockten uns an einen runden Tisch und laberten. Irgendwann warf Marc der fetten Japsin vom Nachbartisch einen Luftkuss zu, sie fing ihn auf und rieb ihn einer kreisender Bewegung an ihren Unterleib. Ab da kam man auch ins Gespräch, aber alles, was die eine Freundin von der Speckigen von sich zu geben vermochte, klang nur wie "Oh-Long-Johnson" oder irgendwas mit exakt demselben Sprachlaut. So hingen wir für den Rest des Abends mit Oh-Long-Johnsons Piratencrew ab, machten Selfies, laberten Unsinn und gingen irgendwann gegen 5 Uhr in der Früh nach Hause. Wie der Abend in Bildern aussah, seht ihr hier:

3...2...1...MONGOOOOSS, h3h3h3h3.
Lippenstiftabdruck am Leo-Poster, lel.
Oh-Don-Piano, Oh-Long-Johnson und Y-I-Eyes-Ya
Dieser Breakdance-Move wird in der BBoy-Szene auch "Call the excorcist" genannt.
Ouyasumi nasai!


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