Dienstag, 28. April 2015

Tag 6: Zen zen wakarimasen!?

Der sechste Tag sollte rein der kulturellen Inspiration unserer innerer Dämonen dienen, demnach gestalteten wir ihn auch entsprechend. Mit dem Bus ging es zunächst in den Stadtbereich indem sich das Mangamuseum befand. Wir frühstückten im dortigen Cafe und schauten uns die Kunst sogenannter "Mangakas" an, plus die große, alphabetisch sortierte Mangabibliothek mit Mangas, die aus verschiedenen Jahrzehnten stammen, sowie ihre Entwicklung, Videos über die Entstehung von Mangas etc. Für Roman war es eine Achterbahnfahrt der Gefühle, für Miguel und Marc nur eine weitere körperliche Tortur. 

Heute war der Tag endlich da - wir gingen ins Mangamuseum!
Foto- und Videoaufnahmen verboten - #YOLO
Zum Glück gibt's das nicht in Deutschland - bundesweit steigende Adipositas wäre Programm
Optimus Prime in the flesh
Nachdem wir die Museumstour durch hatten, machten wir uns auf den Weg zum Tagesziel numero duo: Tōfuku-ji, ein Zen-Tempel im Stadtbezirk Higashiyama in Kyōto, empfohlen vom Besten der Besten persönlich, Matsu-sensei. Wir liefen an einem Supermarkt vorbei, der Importprodukte verkaufte und unter anderem auch dick Werbung für Oettinger Bier machte - natürlich lockte uns Kartoffeln solch ein dreister Werbetrick. Nach ein paar Minuten, kamen wir mit Hanfbier aus Deutschland wieder raus, denn unsere dumme Neugierde auf den Geschmack dieses Pisswassers war einfach zu groß, obgleich Roman der Prekognitive prophezeite, dass es beschissen schmecken würde und dies nur Geldverschwendung sei. Er hatte an diesem Tag Recht behalten, was für unsere Wahrnehmung von Realität ein herber Schlag war. Angelangt am Tōfuku-ji eröffnete sich für uns ein ein Bild von ungesehener Schönheit.


Man verbinde seine Nasenspitze mit der Kinnspitze und schneide die Schädeldecke weg - Voilà, ein Kopfkrug
Was hat er Roman bloß nur gezeigt??? Nicht etwa...Grundgütiger!!!
Hier wieder eine andere Version von Roman - der Programmierer Michael aus Berlin



Achtet mal die nächsten Tage auf Miguels T-Shirts

"Marc, mach's ichs jetzt richtig so?


Perfekter Shot für das Titelblatt des Männer Magazins, Ausgabe 03/14.

#noHomo
Japanische "Himmel und Hölle" Variante


Das zweite Schachspielkonzept, 1858 jedoch wieder verworfen.
Nach dem Besuch des "Tofutempels", wie Miguel es in seinen nutzlosen, ja sogar für den Blog schädlichen Notizen beschreibt, bemerkten wir, dass viele Schulkinder an uns vorbei liefen, genauer gesagt sich auf ihren Heimwegen befanden. Schien so, als hätten wir den Zeitpunkt des Schulschlusses erwischt. Roman, komplett gefangen in seiner Animeaffinität, forderte die Gruppe auf, unbedingt ein Foto mit den Schulmädchen zu machen solange die Chance dazu bestand, weil diese ja so süß und niedlich aussehen wie in den Animes, die er sich vorher monatelang reinzog. An sich ein verständlicher und nachvollziehbarer und im Kern friedlicher Gedanke, denn für ihn waren diese kleinen präpubertären Wesen so etwas wie bekannte Charaktere aus jenen Zeichentrickfilmen, aber nach außen, in die verdorbene und marode Welt, transportierte das natürlich ein ganz anderes Bild, welches bei Marc und Miguel für Bedenken sorgte, Stichwort: Pedobear!


Choo choo - the rapetrain arrived!
Aber wartet, es geht noch weiter. Wir brauchten jemanden, der das Foto machen würde. Zum Pech des vorbeigehenden Chinesen, wählten wir ihn für den Snapshot. Er, der Chief, wie er in seiner Fantasie so ist, meinte den Beschützenden spielen zu müssen und fragte die Schulmädchen, ob es ok für sie sei, ein Foto mit uns zu machen. Doch vor lauter Selbstherrlichkeit hatte er komplett vergessen, dass sie kein einziges seiner Worte verstanden, als er sie auf Englisch ansprach. Bambuspflanzender Trottel. Wir gaben ihm zu verstehen, dass es nur ein simples Foto ist, mehr nicht, woraufhin er endlich einwilligte. Wir bedankten uns bei beiden Parteien und spazierten fröhlich fort. Unmittelbar nach dieser schönen Mémoire begegnete uns ein Moment, der perplexer nicht werden konnte. Ich meine WHAT THE ACTUAL FUCK?!? Da saß offensichtlich ein Junge, der ebenfalls Schulschluss hatte, wartend auf einer Bank. Das Ding ist, er hatte eine Schuluniform für Mädchen an, mit Rock also. Warum um Willen tausender taoistischer Götter gibt ihm die Schule keine Uniform für sein ab Geburt definiertes Geschlecht??? War es etwa eine Art des Mobbings oder gar Strafe? Hatte er eine Wette verloren? Sind der Schule Uniformen für Jungs in seiner Größe ausgegangen? Oder fühlte er sich in der Mädchenuniform einfach wohler? Dieser Mindfuck erzeugte eine schier endlose Anzahl an Fragen. Fragen, die Roman von dem Moment an, an dem er diese gepeinigte Kreatur sah, plagten. Fragen, die ihm wieder einmal keiner beantworten konnte. Fassungslos liefen wir an ihm vorbei zur Bushaltestelle. Zurück im Hotel, wo unser Leichtgepäck für die Rückreise nach Osaka auf uns wartete, nahm Dünnschiss-Marc ein letztes mal die Toilettenschüssel in die Mangel bevor wir zum Bahnhof marschierten und uns im Herzen langsam, aber sicher mit traurigen Blicken von Kyōto verabschiedeten. 

Auf der Rückfahrt im Zug kam eine lustige Szene zwischen Roman und Marc zustande, die den Alltag einiger Mädchen etwas aufheiterte. Stellt euch das wie folgt vor: Alle Sitzplätze im fahrenden Zug sind belegt, Marc und Roman stehen zueinander blickend dicht zusammen. Mit Gepäck zwischen den Beinen besprechen sie den weiteren Tagesablauf oder reden Blödsinn, man weiß es nicht mehr genau. Als der Zug dann ruckartig bremst, verliert Roman das Gleichgewicht und kippt nach vorne. Wie beim Fallen üblich greift Roman reflexartig nach vorne um den Fall zu dämpfen, an dieser Stelle ist aber Marcs Nase im Weg. Das Ergebnis ist also, dass Romans Zeige- und Mittelfinger sich tief in beiden Nasenlöchern von Marc bohren, so tief, er konnte sogar den Unterdruck in Marcs Wasserkopf spüren. Dies hatte Marc unglaublich verwirrt und gleichzeitig seine Umgebung in Lachen ausbrechen lassen. Zeitgleich war seine Reaktion auch nur: "Wooow, was machst du ?!?!?!" woraufhin Roman ebenfalls mit nichts außer unkontrolliertem Lachen antworten konnte. Schon bald nach dieser filmreifen Szene waren wir am an unserer Haltestelle angekommen, wo Marc die nächste imbezille Bombe seiner droppte. Er meinte wörtwörtlich: "Ahhh jaaa, ich erkenne die Station wieder, ich weiß jetzt wo wir sind!", woraufhin Miguel ihm blitzschnell zu verstehen gab: "Marc, du kannst dich gar nicht erinnern. Wir waren hier noch nie....", was tatsächlich der Realität entsprach. An dieser Haltestelle sind wir zu der Zeit noch nie ein-/aus- oder umgestiegen. Zunächst etwas suspekt auf Miguel blickend, gab Phony dann doch nach und verließ sich vollkommen auf die Führungsfähigkeiten des Mexikaners. Es war und ist schließlich seine einzige Stärke. Ab da fanden wir den Heimweg unproblematisch.


Peace-ful Family
#noHomo #justfriendsthings
Zurück bei Matsu-san, wo uns Simon schwanzwedelnd wie ein geiler Keiler erwartete, tankten wir Kräfte und schmiedeten erneut Pläne für den heutigen Abend. Negativ aufgefallen ist, dass Simons Krankheit in ihrem ohnehin besorgniserregendem Stadium vorangeschritten war. Er klang noch ein wenig mehr nach Kastrat, als wir ihn wieder in unsere Arme nahmen. Es zerbrach uns irgendwie das Herz. In der Hoffnung, wir könnten diesen Effekt rückgängig machen, nahmen wir ihn auf unsere nächtliche Bartour mit. So kam es, dass wir beim Schlendern durchs nächtliche Osaka einer Clubmama (wir nannten sie fortan an so, weil es irgendwie passte, sie sah auch schon etwas abgenutzt aus und war ein bisschen in die Jahre gekommen) begegneten, die uns aufgrund unserer, hoffentlich dicken, Geldbörsen und nicht, weil wir eine sozial ethnisch-kulturelle Abwechslung darstellten, anquatschte. Wir gingen auf ihre Ansprache in die "Bar 7" mit rein, hockten uns an die Bar, ließen uns Bier und Knabberzeug bringen und erzählten von uns, vom Leben in Europa, davon, wie es ist die Welt mit vorhandenen Augenlidern wahrzunehmen etc. etc.. Gehör liehen uns dabei eine engelsgleiche Frau namens Eri, die Clubmama, und offensichtlich keine Japsin namens Bruna, die als kleines Mädchen aus Brasilien an der Haaren hergezogen wurde, den ganzen Weg über den Nordpazifik. Im Gegenzug erzählte uns Bruna, warum die meisten Japaner kein Englisch sprechen und wie sie Japanisch lernte. Währenddessen fand Roman seinen kleinsten gemeinsamen Nenner mit Eri, nämlich Anime. Nach einigen Gläsern und vor allem nachdem Eri ihre Schicht beendete bestand unsererseits kein Interesse mehr, noch mehr Zeit und Geld in der "Siebten Bar", wenngleich wir jedem empfehlen würden, dort vorbeizuschauen. Allein schon, weil ihr euren seelischen Balast loswerden könnt und jmd. da ist, der es auch versteht, ganz zu schweigen von der Clubmama und Eri's wunderschönem Antlitz - sofern die beiden sich dort noch täglich aufhalten und noch nicht tot sind. 

Bruna war so nett und gab uns nicht nur eine Anhaltsstelle namens "Cinquecento", was im Übrigen das italienische Pendant zum allseits beliebten Spiel "Ching Chang Chong" (Cin-que-cento -> Ähnlichkeit des Wortstamms) ist, wo wir noch mehr Geld für japanische Fischpisse von Bier ausgeben konnten, nein, sie führte uns dahin und ließ den Barkeeper jedem von uns noch ein Freigetränk ausschenken! Was für eine coole Olle! Auf dem Weg dahin haben wir noch einige Komplimente von Nightlife-Japanern erbeuten können. Dort allerdings hielten wir uns nicht wirklich lange auf und doch fiel uns eine "Gaijin Huntress" auf, die mit einem offensichtlichen Europäer flirtete. Zur Info: Gaijin Hunter sind japanische Frauen, evtl. auch Männer, die explizit Interesse an Ausländern wegen ihrem Aussehen und ihrer Sprache haben und nicht, weil sie diese als Person im eigentlichen Sinne interessiert. Also im Grunde die gleiche Beziehung, die Roman zu Marc pflegt.

Sorry, unsere Flipcam bietet nur VHS Technik
Beliebers united again
Leicht schwapsig verließen wir das Cinquecento, stellten dabei fest, dass wir unseren mittlerweile typischen Nachthunger bekamen und zum nächsten Family Mart wanderten. Wie auch an den Abenden zuvor, kauften wir auch an jenem super ultrageile Instant-Nudeln für den nächtlichen Verzehr vor'm Schlafengehen. A propos  Schlafengehen: aus irgendeinem für den menschlich rationalen Verstand unerklärlichen Grund ereignete sich folgendes Schauspiel:

Nachdem wir alle von Müdigkeit geplagt worden sind, war es an der Zeit das Licht auszumachen, nur Roman blieb noch auf der Couch und chillte. Da Marc erstmal nicht einschlafen konnte, weil sein Wasserkopf schmerzte, beobachtete dieser den Zuchtrussen sehr detailliert. 

WHAT...
...DA...
...FUCK, DUDE?!?! WHYYY???
Dieser schlief im Sitzen ein, in einer sehr unbequemen Haltung auf der Couch ein und wachte erst nach etwa 20 Minuten auf und taumelte in Richtung unseres Schlaflagers. "Alter, du hast grade 20 Minuten auf der Couch im Sitzen gepennt" entgegnete Marc dem noch fast schlafenden, aber in Bewegung befindlichen Amalgam, in der Hoffnung entweder eine Folge von unendenden Rages oder eine politische Diskussion anzuregen. Als Dank bekam er aber nur die monotonen Worte "und jetzt?" des schlafwandelnden zähen Stück Fleisches von einem Menschen entgegen geworfen. Marc war außer sich. Nun verließ auch der letzte Tagträumer die Bastion der Wachsamkeit.


bai bai

Sonntag, 12. April 2015

Tag 5: Shitday

*Schnaaaaaarrrch*....toktoktok....toktoktok...
Roman: "Marc, wer ist das?"
Marc: "Waaaahhhh....was is los?"
Roman: "Na hör' mal hin, es klopft jemand, ich glaube es sind die Putzfrauen, ich schwör' die eine kam grad rein und hat gesehen, dass wir noch im Bett sind, hat sich dann wieder verzogen..."
Marc: "Diese verdammten Japsen, können einfach keine Ruhe geben."

So geschah es, dass dieser Cleaning-Squad noch 2 weitere Male im Abstand von 15 Minuten klopfte und checkte, ob wir noch im Zimmer waren, weils ja auch Sinn macht, dass wir das Zimmer innerhalb dieses Zeitfensters räumen. Wahrscheinlich gingen sie davon aus, dass wir nach dem ersten Klopfen sofort aufstehen und uns verpissen. Sie waren einfach darauf versessen dieses Scheisszimmer sauber zu machen oder uns vielleicht zu vergewaltigen, ich weiß es nicht. So in etwa sah auch der Beginn vom 5ten Tag in Japan aus. Um 13 Uhr täglich kamen die Zimmerhuren, um die Betten neu zu machen, Toilette zu säubern etc.. Vernünftige Leute sind um diese Zeit natürlich schon längst wach, haben wahrscheinlich schon ihr Mittagessen gehabt und sind irgendwo unterwegs. Nicht aber wir, nein, wir waren noch hundemüde und fertig vom Vorabend, ein Zustand, den der fleißige Japaner im Grunde gar nicht kennt, nicht mal im Urlaub oder der Rente.

Nach einer Weile kamen wir endlich aus den Federn und da Roman die Missgeburt, der einfach fast nie schläft und anderen keine Ruhe gibt, den Plan schon am Vortag zurechtgelegt hatte, war es nur noch unsere Aufgabe, diesen Plan auszuführen. Das erste Tagesziel war der "Goldene Pavillon", ein Touristenziel, welches man unbedingt besucht haben muss, wenn man in Kyoto gewesen ist, so die Reviews in diversen Online-Reiseführern. Wir vertrauten einmal ausnahmsweise auf die Mundpropaganda der Leute im Internet und waren gespannt, was uns erwartete. Wir verabschiedeten uns von den netten Rezeptionisten und marschierten zur Bushaltestelle.

Japan gilt als Pionier der Zapfsäulentechnik, die unter anderem bei der Formel 1 zum Einsatz kommt
And remember: always stay classy, no matter how gay you look

Bevor es in den Bus ging, erstmal schön zum Family Mart, Frühstück holen. Marc erinnert sich noch heute an seinen übergeilen Pfannkuchen mit Schoko-Sahne-Füllung. Schon bald kam auch unser Bus und fuhr uns zum Tempelbezirk. Dort angekommen war die Spannung am Höhepunkt, nach einer kleinen Eintrittsgebühr durften wir auch schon in die Tempelanlage des "Ginkaku-ji". Um kurz und knapp ein Fazit zu ziehen: SO EINE VERDAMMTE SCHEISSE! Nur der Rundgang von 5 Minuten um den See herum, in dessen Mitte der Tempel auf einer kleinen Insel hervorragte, der noch nicht einmal aus Gold besteht, sondern nur goldfarben bemalt wurde, das wars! Nicht mal Infos auf Englisch o.Ä. NICHTS. Fuck our lives!

Foto wie aus 'nem Reichsführer
Nein wirklich, ich will, dass ihr dieses Foto jetzt speichert und als Desktop-Hintergrund nutzt. SOFORT!






Yo mama's so fat, once she went skydiving and and forgot to open her parachute.
Wir entschieden uns aufgrund dieses epischen Reinfalls einer Touristenfalle den "Silbernen Tempel" (eher silber bemalten) zu ersparen. Der Tag konnte nicht schlechter werden, so dachten wir und nahmen den Bus um einen Exkursion zu einem von Miguel ausgesuchten Ort zu machen, wir hofften innig, es war kein Schwulenpuff. Natürlich ist auf dem Weg dahin wieder etwas schiefgegangen, wie kann es denn bei dieser Konstellation von Idioten auch anders sein, wir haben ja das Pech grundsätzlich gepachtet. Durch die Folge eines Kommunikationsproblems, missverstand Roman, an welcher Bushaltestelle wir aussteigen werden und so stieg der Pisser einfach aus :D. Marc's Wortlaut war nämlich, dass wir "an der übernächsten [Haltestelle] aussteigen". Roman hörte wohl nur "nächste" und verließ den rappelvollen Bus, woraufhin die Bustür zuging und wir davonfuhren. Der orientierungslose Tölpel wurde im Rückspiegel immer kleiner und verschwand schließlich als kleiner Punkt in dem Meer von Strichen. Marc und Miguel spekulierten und hofften, dass Roman verdammt nochmal nicht in die entgegengesetzte Richtung laufen würde, damit wir uns drei wieder treffen würden. Sie hatten an diesem Tag Glück, denn Romans Kopf leistete sich ausnahmsweise mal keine Fehlfunktion. Wir konnten problemlos an einem Zebrastreifen zwischen den beiden Haltestellen wieder zusammenfinden. Damit uns so ein Malheur nicht nochmal passiert, entschieden wir, Roman an die Leine zu nehmen und den Restweg zu Fuß zu gehen, zusätzlich ergab sich die Möglichkeit, durch den Imperialen Palast/Park zu schlendern.

WHAT DA FUCK?!? NO SERIOUSLY....WHAT?
Marc obviously looks disgusted by Miguels presence.
Die Zikaden schienen froh über unsere Ankunft am Imperialen Palast, man konnte nichts anderes weit und breit hören, als eine Symphonie ihrer zirpenden Ärsche. Das schwächste Glied unserer Kette hatte eine Notdurft zu verrichten, der Park hatte zu seinem Glück öffentliche Toiletten. Ja er konnte sogar auswählen, ob er ein europäisches WC sprengen möchte, oder ein traditionelles, bei dem man sich auch schon das ein oder andere Mal selbst ans Bein scheißen kann. Das kann Marc besonders gut, daher war es mehr als passend für ihn. Trotzdem wollte er auf den Komfort nicht verzichten und nahm lieber die Sitzschüssel. Währenddessen bewachten ihn Roman und Miguel draußen wie zwei mongolische Hünen. In regelmäßigen Abständen gab er Gestöhne von sich, allerdings nicht die Art von Stöhnen, die er während seines Geschlechtsverkehrs ausstößt, sondern eher eine Art seufzendes Stöhnen, welches auf Unbehagen schließen ließ:

"Alles o.k. bei dir Bruder?" fragte ihn Roman, "Nein Jungs, die beschissenen Stechmücken erschweren mir das Scheißen ungemein!" Irgendwie hat er seinen Schiss doch fertig gebracht und erzählte uns nun ausführlicher, welcher Offensive er tatsächlich ausgesetzt war:

"Sie stachen mir in die Arme, in meinen Kopf und zusätzlich noch in meinen Arsch! Alles was ich versuchte, war nur genügend Klopapier zusammenzubekommen, während mich eine ganze Armada von Mücken penetrierte. Zuerst kam eine, diese hab ich verscheucht, dann holte sie Verstärkung, damit wurde ich auch fertig. Aber innerhalb von einigen Augenblicken war es bereits eine verdammte Heilsarmee, die ich abwehren musste während ich neues Papier aufwickelte. Never again man!"

Kaiser komm raus!
Da haben wir sie, die Reisbauern.
Dieses Erlebnis amüsierte uns ein wenig, denn wir hatten ein kleines bisschen Glück und Freude an diesem Scheisstag bitter nötig. Im Großen und Ganzen war der Imperiale Park nicht wirklich super spannend, da der Zutritt zum Palast weißen Menschen verboten war, daher blieb uns nur die Möglichkeit ihn einmal zu umkreisen. An einer Stelle sah Roman einige hart arbeitende Hilfskräfte, die Grashalme aus dem Kieselboden rausrissen, damit er schön kieselig bleibt. Aber  ein kleiner Troll wir er seit seiner Geburt ist, meinte er kurzerhand: "Hey Jungs, schaut mal, die Reisbauern da hinten bauen Reis an, mitten im Imperialen Park, wwaaassss looossss?!" und wartete auf die Reaktion der anderen beiden. Während Marc verstand und mitzog, packte Miguel seine Infobox aus: "Neee, das sind doch keine Reisbauern, die jäten einfach Unkraut, damit es hier schöner und homogener aussieht". Roman zog instantly ein Trollface auf während er zu Marc schaute, beide mussten hämisch lachen. Dies war der Moment des Etablissements von Miguels Infobox, die fortan bei jeder kleinen Scheißinformation Einzug hielt.

Raus aus dem Palast ohne Kaiser, bei dem wir so stark um eine Audienz hofften - rein in ein Baseballtrainingsplatz, an welchem viele Kids und Teenager ihre Würfe und Schläge übten. Wie ihr auch hoffentlich wisst, ist "Baseboru" in Japan direkt nach dem Walfang die beliebteste Sportart. Da wir ehrlich gesagt Angst hatten, eines der fliegenden Objekte mitten in unsere Schritte zu bekommen, verließen wir auch prompt den Übungsplatz, auch wenn wir gerne selbst das ein oder andere Spiel mitgemacht hätten. Mittlerweile hatte Miguel auch einen Wunsch geäußert an einen Ort zu gehen, den er ausgesucht hat. Im Glauben, es konnte nicht wesentlich langweiliger sein als im Palast, trauten wir seinen Instinkten und folgten ihm. Sein Riecher brachte uns zu einem Teehaus, not bad Miguel, not bad! Er wollte Tee für Freunde und Familie als "presento" besorgen, was keine schlechte Idee war. Wir zogen mit und kauften auch überteuerten Tee, wobei es schwer war keinen zu kaufen, bei einer so sympathisch-süßen Bedienung.

Miguel auf Mission
Ryokan baby! Bei 8k-20k Yen pro Nacht, kann man sich all seine feuchten Träume wahr werden lassen!
Die Einkäufe waren soweit getätigt und es war auch noch nicht alles verloren an diesem Tag, nein, auf Romans Wunsch sollte es ins Mangamuseum gehen. Es war für ihn als Fan von japanischer Zeichentrickkunst undenkbar, Kyoto ohne das Mangamuseum besucht zu haben, zu verlassen. Mit Marcs abschließenden Worten "Was soll jetzt noch schiefgehen?" verließen wir das Teehaus, um den Bus zu nehmen, der uns zu eben jenem Mangamuseum bringen würde. Leider fuhr dieser Bus exakt nur einen einzigen Block in unsere Wunschrichtung und bog dann in eine komplett andere Richtung ab. Ooooh neeiiii! Wir waren gezwungen bei der nächsten Haltestelle auszusteigen und den weiteren Weg zu Fuß zu laufen....danke Marc, vielen Dank du Scheißjapse! Zudem haben wir mit dieser Aktion nicht nur Zeit, sondern auch Geld verschleudert, denn diese Linie nutzte natürlich unsere Tageskarten nicht und wir mussten neue Tickets für 100 Meter kaufen.

U-Turns erlaubt, sogar ausdrücklich empfohlen
Wo ist Japso? (Japanischer Waldo)
Irgendwann waren wir auch endlich angekommen. Erstmal Verschnaufen angesagt, Marc's Hautfarbe änderte ihren Farbton mittlerweile auf weiß, von der ganzen Dehydrierung selbstverständlich. Ein Blick auf das Öffnungszeitenschildchen verriet, dass am heutigen Mittwoch das Scheissmuseum zu hat. Wir wurden aus der Öffnungszeitenscheiße, die sie da in ihrem Land veranstalten nicht schlau, denn schon am vorherigen Tag, dem Dienstag, hatten eine Reihe von Geschäften ihren Ruhetag, jetzt auch noch Mittwochs, FFFFUUUUU!!! Jegliche Hoffnung auf positive Ereignisse war verloren an jenem Tag, dies konnte man klar aus unseren Gesichtern ablesen. Ehe irgendein Sushifresser noch dran glauben sollte, beeilten wir uns mit der Entscheidung, wo wir essen würden. Die Wahl fiel heute etwas exotischer aus als in den letzten Tagen: ein Inderjapse sollte uns das Essen zubereiten. Allerdings schien es schon beim Bestellen erneut Kommunikationsprobleme zu geben, denn dieser Nichtsnutz von Restaurantbesitzer konnte weder Englisch, noch Japanisch, noch grammatikalisch korrektes Indisch, d.h. sprachlich hatte er noch weniger drauf als wir, und wir waren gerade mal 5 Tage im Land!

Thug Life oder was? So ein unfassbar hässlicher Knecht....
Marc kennt auch noch eine ganz andere Reihe Pinker Latten, wenn ihr versteht.

Das Abendessen war okay, für die Summe, die wir da springen lassen haben, schmeckte es aber zu alltäglich. Wäre Moe der Geizkragen tot und unter der Erde, dann würde er sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, wieviel wir da gezahlt hatten aber yo, hauptsache satt. Man sagt ja nicht umsonst, selbst ein vergoldetes Hähnchen kann einem das Salz aus der Suppe nicht rausholen. Wir gingen zurück ins Hotel um dort den weiteren Verlauf des Abends auszuhecken und anschließend auszuführen. Marc und Roman konnten sich gar nicht schnell genug die Kleider von ihren Astralkörpern reißen, so sehr freuten sich die beiden Nackedeis auf den Onsen. Unser mental instabiler Miguel war einfach fertig mit der Welt für heute und ging relativ früh pennen, was uns verständlich schien, nach so einem Shitday voller Missgunst, Neid und Scheissessen. Zudem herrschte im Onsen ein Mikropenisverbot, was Miguel vor ein massives massives Problem stellte. Nach dem Relaxen im Onsen waren wir wieder geladen und motiviert etwas zu starten an diesem Abend. Wir wollten nicht hinnehmen, dass der verkackte Tag so schlecht endete.

Imitation Game mit Marc. Ist der echte Krebs an der Wand oder am Boden?

Auf leisen Sohlen, damit Miguel ja nicht aufwacht, schlichen wir uns raus ins Kyoto'er Nachtleben. Es war zwar sicherlich nicht so viel los, wie an einem Wochenende, aber wir erhofften uns trotzdem einige lustige Stunden. Der Abend gestaltete sich tatsächlich sehr ereignisreich. So beinhaltete dieser einen Samurai-Cosplayer, welchen wir scheinbar bei unserem Ausgang trafen und uns von ihm über das Leben und das Dasein der Samurai in der Edoperiode belehren ließen. Dann trafen wir auf 4 weltoffene Japaner, die uns zu einigen Drinks einluden, über die Wirtschaftspolitik in Europa diskutierten und welchen Zusammenhang diese mit dem japanischen Markt habe. Hinterher sind wir noch in eine Spielhalle und haben Rekorde gebrochen an einigen Arcade-Automaten. Ein wenig später schauten wir zu, wie ein tollwütiges Huhn einen Japaner verfolgte, weil dieser dem Huhn Geld schuldete. All das sollte Miguel dazu bringen zu bereuen, dass er sich entschieden hatte im Hotelzimmer zu bleiben....bis heute noch glaubt er, dass wir genau diese Ereignisse in genau dieser Reihenfolge erlebt haben. Er hatte es noch nicht einmal hinterfragt, denn wir haben die Reihenfolge geändert. So ein Trottel, joke's on you!

Wie der Abend wirklich aussah: Wir brauchten eine Weile, bis wir ein nettes und gleichzeitig ausgefallenes Lokal/Bar gefunden hatten. Dort ließen wir uns ein Heineken-Guiness "draften", welches uns beim Verzehr während des Recaps vom Shitday ungemein faszinierte, weil das Guinness oben auf dem Heineken lag und sich nicht vermischte, zumindest Roman konnte sich nicht sattsehen. Bevor wir wieder ins Hotel gingen, erkundigten wir uns noch nach der schönen, irisch klingenden Musik, die sie in der Bar laufen hatten. Wir dankten, zogen ab und besorgten uns im Family Mart unsere Nudeln für den Mitternachtssnack bevor unsere Seelengefäße in die Betten fielen.

Fress ich heute Abend diese Nudeln oder diese Nudeln? Fuck it, it's noodles all along anyway!
Tadaaaaaa!



Minna-san ouyasumi nasai!