Sonntag, 12. April 2015

Tag 5: Shitday

*Schnaaaaaarrrch*....toktoktok....toktoktok...
Roman: "Marc, wer ist das?"
Marc: "Waaaahhhh....was is los?"
Roman: "Na hör' mal hin, es klopft jemand, ich glaube es sind die Putzfrauen, ich schwör' die eine kam grad rein und hat gesehen, dass wir noch im Bett sind, hat sich dann wieder verzogen..."
Marc: "Diese verdammten Japsen, können einfach keine Ruhe geben."

So geschah es, dass dieser Cleaning-Squad noch 2 weitere Male im Abstand von 15 Minuten klopfte und checkte, ob wir noch im Zimmer waren, weils ja auch Sinn macht, dass wir das Zimmer innerhalb dieses Zeitfensters räumen. Wahrscheinlich gingen sie davon aus, dass wir nach dem ersten Klopfen sofort aufstehen und uns verpissen. Sie waren einfach darauf versessen dieses Scheisszimmer sauber zu machen oder uns vielleicht zu vergewaltigen, ich weiß es nicht. So in etwa sah auch der Beginn vom 5ten Tag in Japan aus. Um 13 Uhr täglich kamen die Zimmerhuren, um die Betten neu zu machen, Toilette zu säubern etc.. Vernünftige Leute sind um diese Zeit natürlich schon längst wach, haben wahrscheinlich schon ihr Mittagessen gehabt und sind irgendwo unterwegs. Nicht aber wir, nein, wir waren noch hundemüde und fertig vom Vorabend, ein Zustand, den der fleißige Japaner im Grunde gar nicht kennt, nicht mal im Urlaub oder der Rente.

Nach einer Weile kamen wir endlich aus den Federn und da Roman die Missgeburt, der einfach fast nie schläft und anderen keine Ruhe gibt, den Plan schon am Vortag zurechtgelegt hatte, war es nur noch unsere Aufgabe, diesen Plan auszuführen. Das erste Tagesziel war der "Goldene Pavillon", ein Touristenziel, welches man unbedingt besucht haben muss, wenn man in Kyoto gewesen ist, so die Reviews in diversen Online-Reiseführern. Wir vertrauten einmal ausnahmsweise auf die Mundpropaganda der Leute im Internet und waren gespannt, was uns erwartete. Wir verabschiedeten uns von den netten Rezeptionisten und marschierten zur Bushaltestelle.

Japan gilt als Pionier der Zapfsäulentechnik, die unter anderem bei der Formel 1 zum Einsatz kommt
And remember: always stay classy, no matter how gay you look

Bevor es in den Bus ging, erstmal schön zum Family Mart, Frühstück holen. Marc erinnert sich noch heute an seinen übergeilen Pfannkuchen mit Schoko-Sahne-Füllung. Schon bald kam auch unser Bus und fuhr uns zum Tempelbezirk. Dort angekommen war die Spannung am Höhepunkt, nach einer kleinen Eintrittsgebühr durften wir auch schon in die Tempelanlage des "Ginkaku-ji". Um kurz und knapp ein Fazit zu ziehen: SO EINE VERDAMMTE SCHEISSE! Nur der Rundgang von 5 Minuten um den See herum, in dessen Mitte der Tempel auf einer kleinen Insel hervorragte, der noch nicht einmal aus Gold besteht, sondern nur goldfarben bemalt wurde, das wars! Nicht mal Infos auf Englisch o.Ä. NICHTS. Fuck our lives!

Foto wie aus 'nem Reichsführer
Nein wirklich, ich will, dass ihr dieses Foto jetzt speichert und als Desktop-Hintergrund nutzt. SOFORT!






Yo mama's so fat, once she went skydiving and and forgot to open her parachute.
Wir entschieden uns aufgrund dieses epischen Reinfalls einer Touristenfalle den "Silbernen Tempel" (eher silber bemalten) zu ersparen. Der Tag konnte nicht schlechter werden, so dachten wir und nahmen den Bus um einen Exkursion zu einem von Miguel ausgesuchten Ort zu machen, wir hofften innig, es war kein Schwulenpuff. Natürlich ist auf dem Weg dahin wieder etwas schiefgegangen, wie kann es denn bei dieser Konstellation von Idioten auch anders sein, wir haben ja das Pech grundsätzlich gepachtet. Durch die Folge eines Kommunikationsproblems, missverstand Roman, an welcher Bushaltestelle wir aussteigen werden und so stieg der Pisser einfach aus :D. Marc's Wortlaut war nämlich, dass wir "an der übernächsten [Haltestelle] aussteigen". Roman hörte wohl nur "nächste" und verließ den rappelvollen Bus, woraufhin die Bustür zuging und wir davonfuhren. Der orientierungslose Tölpel wurde im Rückspiegel immer kleiner und verschwand schließlich als kleiner Punkt in dem Meer von Strichen. Marc und Miguel spekulierten und hofften, dass Roman verdammt nochmal nicht in die entgegengesetzte Richtung laufen würde, damit wir uns drei wieder treffen würden. Sie hatten an diesem Tag Glück, denn Romans Kopf leistete sich ausnahmsweise mal keine Fehlfunktion. Wir konnten problemlos an einem Zebrastreifen zwischen den beiden Haltestellen wieder zusammenfinden. Damit uns so ein Malheur nicht nochmal passiert, entschieden wir, Roman an die Leine zu nehmen und den Restweg zu Fuß zu gehen, zusätzlich ergab sich die Möglichkeit, durch den Imperialen Palast/Park zu schlendern.

WHAT DA FUCK?!? NO SERIOUSLY....WHAT?
Marc obviously looks disgusted by Miguels presence.
Die Zikaden schienen froh über unsere Ankunft am Imperialen Palast, man konnte nichts anderes weit und breit hören, als eine Symphonie ihrer zirpenden Ärsche. Das schwächste Glied unserer Kette hatte eine Notdurft zu verrichten, der Park hatte zu seinem Glück öffentliche Toiletten. Ja er konnte sogar auswählen, ob er ein europäisches WC sprengen möchte, oder ein traditionelles, bei dem man sich auch schon das ein oder andere Mal selbst ans Bein scheißen kann. Das kann Marc besonders gut, daher war es mehr als passend für ihn. Trotzdem wollte er auf den Komfort nicht verzichten und nahm lieber die Sitzschüssel. Währenddessen bewachten ihn Roman und Miguel draußen wie zwei mongolische Hünen. In regelmäßigen Abständen gab er Gestöhne von sich, allerdings nicht die Art von Stöhnen, die er während seines Geschlechtsverkehrs ausstößt, sondern eher eine Art seufzendes Stöhnen, welches auf Unbehagen schließen ließ:

"Alles o.k. bei dir Bruder?" fragte ihn Roman, "Nein Jungs, die beschissenen Stechmücken erschweren mir das Scheißen ungemein!" Irgendwie hat er seinen Schiss doch fertig gebracht und erzählte uns nun ausführlicher, welcher Offensive er tatsächlich ausgesetzt war:

"Sie stachen mir in die Arme, in meinen Kopf und zusätzlich noch in meinen Arsch! Alles was ich versuchte, war nur genügend Klopapier zusammenzubekommen, während mich eine ganze Armada von Mücken penetrierte. Zuerst kam eine, diese hab ich verscheucht, dann holte sie Verstärkung, damit wurde ich auch fertig. Aber innerhalb von einigen Augenblicken war es bereits eine verdammte Heilsarmee, die ich abwehren musste während ich neues Papier aufwickelte. Never again man!"

Kaiser komm raus!
Da haben wir sie, die Reisbauern.
Dieses Erlebnis amüsierte uns ein wenig, denn wir hatten ein kleines bisschen Glück und Freude an diesem Scheisstag bitter nötig. Im Großen und Ganzen war der Imperiale Park nicht wirklich super spannend, da der Zutritt zum Palast weißen Menschen verboten war, daher blieb uns nur die Möglichkeit ihn einmal zu umkreisen. An einer Stelle sah Roman einige hart arbeitende Hilfskräfte, die Grashalme aus dem Kieselboden rausrissen, damit er schön kieselig bleibt. Aber  ein kleiner Troll wir er seit seiner Geburt ist, meinte er kurzerhand: "Hey Jungs, schaut mal, die Reisbauern da hinten bauen Reis an, mitten im Imperialen Park, wwaaassss looossss?!" und wartete auf die Reaktion der anderen beiden. Während Marc verstand und mitzog, packte Miguel seine Infobox aus: "Neee, das sind doch keine Reisbauern, die jäten einfach Unkraut, damit es hier schöner und homogener aussieht". Roman zog instantly ein Trollface auf während er zu Marc schaute, beide mussten hämisch lachen. Dies war der Moment des Etablissements von Miguels Infobox, die fortan bei jeder kleinen Scheißinformation Einzug hielt.

Raus aus dem Palast ohne Kaiser, bei dem wir so stark um eine Audienz hofften - rein in ein Baseballtrainingsplatz, an welchem viele Kids und Teenager ihre Würfe und Schläge übten. Wie ihr auch hoffentlich wisst, ist "Baseboru" in Japan direkt nach dem Walfang die beliebteste Sportart. Da wir ehrlich gesagt Angst hatten, eines der fliegenden Objekte mitten in unsere Schritte zu bekommen, verließen wir auch prompt den Übungsplatz, auch wenn wir gerne selbst das ein oder andere Spiel mitgemacht hätten. Mittlerweile hatte Miguel auch einen Wunsch geäußert an einen Ort zu gehen, den er ausgesucht hat. Im Glauben, es konnte nicht wesentlich langweiliger sein als im Palast, trauten wir seinen Instinkten und folgten ihm. Sein Riecher brachte uns zu einem Teehaus, not bad Miguel, not bad! Er wollte Tee für Freunde und Familie als "presento" besorgen, was keine schlechte Idee war. Wir zogen mit und kauften auch überteuerten Tee, wobei es schwer war keinen zu kaufen, bei einer so sympathisch-süßen Bedienung.

Miguel auf Mission
Ryokan baby! Bei 8k-20k Yen pro Nacht, kann man sich all seine feuchten Träume wahr werden lassen!
Die Einkäufe waren soweit getätigt und es war auch noch nicht alles verloren an diesem Tag, nein, auf Romans Wunsch sollte es ins Mangamuseum gehen. Es war für ihn als Fan von japanischer Zeichentrickkunst undenkbar, Kyoto ohne das Mangamuseum besucht zu haben, zu verlassen. Mit Marcs abschließenden Worten "Was soll jetzt noch schiefgehen?" verließen wir das Teehaus, um den Bus zu nehmen, der uns zu eben jenem Mangamuseum bringen würde. Leider fuhr dieser Bus exakt nur einen einzigen Block in unsere Wunschrichtung und bog dann in eine komplett andere Richtung ab. Ooooh neeiiii! Wir waren gezwungen bei der nächsten Haltestelle auszusteigen und den weiteren Weg zu Fuß zu laufen....danke Marc, vielen Dank du Scheißjapse! Zudem haben wir mit dieser Aktion nicht nur Zeit, sondern auch Geld verschleudert, denn diese Linie nutzte natürlich unsere Tageskarten nicht und wir mussten neue Tickets für 100 Meter kaufen.

U-Turns erlaubt, sogar ausdrücklich empfohlen
Wo ist Japso? (Japanischer Waldo)
Irgendwann waren wir auch endlich angekommen. Erstmal Verschnaufen angesagt, Marc's Hautfarbe änderte ihren Farbton mittlerweile auf weiß, von der ganzen Dehydrierung selbstverständlich. Ein Blick auf das Öffnungszeitenschildchen verriet, dass am heutigen Mittwoch das Scheissmuseum zu hat. Wir wurden aus der Öffnungszeitenscheiße, die sie da in ihrem Land veranstalten nicht schlau, denn schon am vorherigen Tag, dem Dienstag, hatten eine Reihe von Geschäften ihren Ruhetag, jetzt auch noch Mittwochs, FFFFUUUUU!!! Jegliche Hoffnung auf positive Ereignisse war verloren an jenem Tag, dies konnte man klar aus unseren Gesichtern ablesen. Ehe irgendein Sushifresser noch dran glauben sollte, beeilten wir uns mit der Entscheidung, wo wir essen würden. Die Wahl fiel heute etwas exotischer aus als in den letzten Tagen: ein Inderjapse sollte uns das Essen zubereiten. Allerdings schien es schon beim Bestellen erneut Kommunikationsprobleme zu geben, denn dieser Nichtsnutz von Restaurantbesitzer konnte weder Englisch, noch Japanisch, noch grammatikalisch korrektes Indisch, d.h. sprachlich hatte er noch weniger drauf als wir, und wir waren gerade mal 5 Tage im Land!

Thug Life oder was? So ein unfassbar hässlicher Knecht....
Marc kennt auch noch eine ganz andere Reihe Pinker Latten, wenn ihr versteht.

Das Abendessen war okay, für die Summe, die wir da springen lassen haben, schmeckte es aber zu alltäglich. Wäre Moe der Geizkragen tot und unter der Erde, dann würde er sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, wieviel wir da gezahlt hatten aber yo, hauptsache satt. Man sagt ja nicht umsonst, selbst ein vergoldetes Hähnchen kann einem das Salz aus der Suppe nicht rausholen. Wir gingen zurück ins Hotel um dort den weiteren Verlauf des Abends auszuhecken und anschließend auszuführen. Marc und Roman konnten sich gar nicht schnell genug die Kleider von ihren Astralkörpern reißen, so sehr freuten sich die beiden Nackedeis auf den Onsen. Unser mental instabiler Miguel war einfach fertig mit der Welt für heute und ging relativ früh pennen, was uns verständlich schien, nach so einem Shitday voller Missgunst, Neid und Scheissessen. Zudem herrschte im Onsen ein Mikropenisverbot, was Miguel vor ein massives massives Problem stellte. Nach dem Relaxen im Onsen waren wir wieder geladen und motiviert etwas zu starten an diesem Abend. Wir wollten nicht hinnehmen, dass der verkackte Tag so schlecht endete.

Imitation Game mit Marc. Ist der echte Krebs an der Wand oder am Boden?

Auf leisen Sohlen, damit Miguel ja nicht aufwacht, schlichen wir uns raus ins Kyoto'er Nachtleben. Es war zwar sicherlich nicht so viel los, wie an einem Wochenende, aber wir erhofften uns trotzdem einige lustige Stunden. Der Abend gestaltete sich tatsächlich sehr ereignisreich. So beinhaltete dieser einen Samurai-Cosplayer, welchen wir scheinbar bei unserem Ausgang trafen und uns von ihm über das Leben und das Dasein der Samurai in der Edoperiode belehren ließen. Dann trafen wir auf 4 weltoffene Japaner, die uns zu einigen Drinks einluden, über die Wirtschaftspolitik in Europa diskutierten und welchen Zusammenhang diese mit dem japanischen Markt habe. Hinterher sind wir noch in eine Spielhalle und haben Rekorde gebrochen an einigen Arcade-Automaten. Ein wenig später schauten wir zu, wie ein tollwütiges Huhn einen Japaner verfolgte, weil dieser dem Huhn Geld schuldete. All das sollte Miguel dazu bringen zu bereuen, dass er sich entschieden hatte im Hotelzimmer zu bleiben....bis heute noch glaubt er, dass wir genau diese Ereignisse in genau dieser Reihenfolge erlebt haben. Er hatte es noch nicht einmal hinterfragt, denn wir haben die Reihenfolge geändert. So ein Trottel, joke's on you!

Wie der Abend wirklich aussah: Wir brauchten eine Weile, bis wir ein nettes und gleichzeitig ausgefallenes Lokal/Bar gefunden hatten. Dort ließen wir uns ein Heineken-Guiness "draften", welches uns beim Verzehr während des Recaps vom Shitday ungemein faszinierte, weil das Guinness oben auf dem Heineken lag und sich nicht vermischte, zumindest Roman konnte sich nicht sattsehen. Bevor wir wieder ins Hotel gingen, erkundigten wir uns noch nach der schönen, irisch klingenden Musik, die sie in der Bar laufen hatten. Wir dankten, zogen ab und besorgten uns im Family Mart unsere Nudeln für den Mitternachtssnack bevor unsere Seelengefäße in die Betten fielen.

Fress ich heute Abend diese Nudeln oder diese Nudeln? Fuck it, it's noodles all along anyway!
Tadaaaaaa!



Minna-san ouyasumi nasai!

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